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Sarafotoxin S6b

Schlangengift-Peptid – Strukturhomolog zu Endothelin

Was es ist

Sarafotoxin S6b (CTCNDMTDEC-GLSFAEYICY, 21 AA, 2 Disulfid-Brücken) ist das potenteste Mitglied einer Familie von Toxin-Peptiden aus dem Gift der Grabviper Atractaspis engaddensis (Israel, Wüste Negev).

Entdeckt 1988 von Kloog und Sokolovsky. Die überraschende Entdeckung: Sarafotoxine sind strukturelle Homologe zu Endothelin-1 (ET-1) – 37% Sequenzidentität, identisches Disulfid-Muster, ähnliche 3D-Struktur. Beide binden Endothelin-Rezeptoren (ETA, ETB). Sarafotoxin S6c ist hochselektiv für ETB (wird genutzt, um ETB-selektive Effekte pharmakologisch zu isolieren). Sarafotoxin S6b verursacht bei Vergiftung: koronare Vasokonstriktion → ST-Elevation → Herzinfarkt, Hypertension, Bronchospasmus. Tödlich durch Herzstillstand (Asystole).

Wofür es erforscht wird

  • Endothelin-Rezeptor-Pharmakologie
  • ETB-selektive Agonisten (S6c als Werkzeug)
  • Kardiovaskuläre Toxikologie
  • Schlangengift-Biologie
  • ET-System-Erforschung
  • Struktur-Aktivitäts-Vergleich ET-1/Sarafotoxin

Stand der Forschung

Evidenzlevel: präklinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Sehr kurz in vivo (Minuten). Stabil in vitro.

Anwendung in der Forschung

Ausschließlich Forschungsreagenz. Sarafotoxin S6c: Standardwerkzeug zur ETB-spezifischen Aktivierung in Ex-vivo-Präparaten. Kein therapeutisches Potenzial (zu toxisch). Antivenom: nicht spezifisch verfügbar für Atractaspis.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

1988 war ein außergewöhnliches Jahr für die vaskuläre Peptid-Forschung: Yanagisawa entdeckte Endothelin-1 im Endothel-Medium, und fast zeitgleich wurden die Sarafotoxine aus dem Schlangengift charakterisiert. Die strukturelle Ähnlichkeit zwischen einem endogenen menschlichen Vasokonstriktor und einem Schlangengift-Toxin war eine der verblüffendsten Beobachtungen in der Peptid-Biochemie.

Dies legte nahe, dass Schlangengift-Toxine evolutiv das Endothelin-System "instrumentalisiert" haben.

Evolutionärer Ursprung

Zwei Hypothesen:

  1. Konvergente Evolution: ET-1 und Sarafotoxine haben die gleiche Funktion (Vasokonstriktion) entwickelt → ähnliche Sequenz durch Evolutionsdruck auf Funktion
  2. Gen-Transfer: Ein ancestraler Vorläufer wurde aus Vertebraten in Schlangengift-Gene transferiert → divergente Evolution

Die zweite Hypothese gilt als wahrscheinlicher (zu hohe Sequenzhomologie für Konvergenz).

Atractaspis-Bissvergiftung: Klinisches Bild

Atractaspis engaddensis (Negev-Grabviper) verursacht bei Biss:

  • Lokale Gewebeschäden
  • Bradykardie, AV-Block, ST-Elevation (ETA-vermittelt im Koronar)
  • Atemstillstand, Asystolie (ETB im Vagusnetz?)
  • Tod durch Herzstillstand innerhalb von Minuten

Kein spezifisches Antivenom. Behandlung: Atropin für Bradykardie, ETA-Antagonisten theoretisch sinnvoll.

Sarafotoxin S6c als pharmakologisches Werkzeug

Sarafotoxin S6c ist hochselektiv für ETB (Ki ETB ~0.1 nM, Ki ETA ~1000 nM):

  • Standardtool zur ETB-spezifischen Aktivierung in Gefäßpräparaten
  • Unterscheidet ETB-Vasodilatation (Endothel) von ETA-Vasokonstriktion (glatte Muskulatur)
  • In Kombination mit ETB-Antagonist (BQ-788) zum Abgrenzen beider Rezeptorpopulationen

Sarafotoxin vs. ET-1: Selektivitätsunterschiede

  • ET-1: ETA >> ETB (schwache ETB-Aktivierung)
  • Sarafotoxin S6b: ETA/ETB dual
  • Sarafotoxin S6c: ETB>>ETA (selektiv für ETB)
  • Diese Selektivitätsprofile sind essentiell für pharmakologische Rezeptor-Charakterisierung.

Einschränkungen

Kein therapeutisches Potenzial (zu toxisch). Nur Forschungswerkzeug. Atractaspis-Bissvergiftung medizinisch relevant in Nahem Osten (Israel, Ägypten, arabische Halbinsel) aber selten.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

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