Hintergrund
Carnosin wurde 1900 erstmals aus Fleischextrakt isoliert (daher der Name, von caro = Fleisch). Es gehört zu den am längsten erforschten endogenen Dipeptiden. Im Muskel dient es primär als pH-Puffer; im Kontext von Anti-Aging interessiert vor allem seine Fähigkeit, Glykosylierungsprodukte (AGEs) zu hemmen.
Hauptwirkungen
1. pH-Pufferung im Muskel
Bei Hochintensitätsbelastung akkumuliert Laktat → pH fällt → Muskelkontraktilität sinkt. Carnosin puffert den pH im physiologischen Bereich (pKa ~6,8). Höhere Carnosin-Spiegel → längere Hochintensitätsausdauer.
2. Anti-Glykosylierung
AGEs (Advanced Glycation Endproducts) entstehen durch nicht-enzymatische Reaktion von Zucker mit Proteinen – ein zentraler Alterungsmechanismus. Carnosin reagiert bevorzugt mit reaktiven Carbonylgruppen und schützt so Proteine vor Glykosylierung.
3. Neuroprotektion
Carnosin cheliert Kupfer und Zink – Metalle, die in der Amyloid-Aggregation bei Alzheimer eine Rolle spielen. Tierexperimentell zeigt es neuroprotektive Effekte; humane Daten sind begrenzt.
Das Bioverfügbarkeitsproblem
Oral zugeführtes Carnosin wird im Blut durch Carnosinase (CN1) schnell hydrolysiert. Muskelaufbau funktioniert besser durch β-Alanin-Supplementation (Vorstufe). Für systemische Anti-Aging-Effekte ist die orale Bioverfügbarkeit ein relevantes Thema.
Rechtlicher Status (Deutschland)
Als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich. β-Alanin ebenfalls als NEM erhältlich.
Einordnung
Carnosin ist ein solides, gut untersuchtes Dipeptid mit klarem Nutzen für sportliche Leistung (via β-Alanin) und vielversprechendem Anti-Aging-Potential. Die Evidenz für Longevity-Effekte beim Menschen ist noch begrenzt, der Sicherheitsrahmen aber hervorragend.

