Hintergrund
Cerebrolysin wird seit über 50 Jahren klinisch eingesetzt, primär in Osteuropa, Russland, China und Lateinamerika. In Deutschland und den meisten westlichen Ländern nicht zugelassen. Die Substanz ist umstritten: Befürworter sehen solide klinische Evidenz für Schlaganfall und Demenz; Kritiker bemängeln Studienqualität und Herstellerinteressen.
Zusammensetzung
Cerebrolysin enthält:
- ~25 % niedermolekulare Peptide (< 10.000 Da) – Blut-Hirn-Schranke-gängig
- ~75 % freie Aminosäuren
- Peptide mit neurotrophiner Aktivität (BDNF-, NGF-, CNTF-ähnlich)
Kein standardisiertes Einzelmolekül – dies erschwert klassische pharmakologische Bewertung.
Klinische Evidenz
Schlaganfall: Mehrere RCTs und eine Cochrane-Meta-Analyse zeigen moderate funktionelle Verbesserung bei ischämischem Schlaganfall (NIHSS-Scores). Cochrane 2020 sieht "niedrige bis moderate Evidenz".
Demenz: RCTs bei Alzheimer und vaskulärer Demenz zeigen kognitive Verbesserungen, aber methodische Qualität variiert stark.
TBI (Hirntrauma): Präklinisch und in kleinen Studien vielversprechend; große RCTs fehlen.
Kontroverse
Cerebrolysin illustriert das Problem der Produktzulassung in Ländern mit weniger strengen Regularien. Die WHO klassifiziert es nicht als essenzielles Arzneimittel. STRIVE-Studie (2019) war eine der größten Schlaganfall-RCTs, zeigte keinen signifikanten primären Endpunkt – dämpfte Erwartungen.
Rechtlicher Status (Deutschland)
Nicht zugelassen. In Österreich, Russland, China, Lateinamerika zugelassen. Import zum Eigenbedarf: rechtlich grauzone.
Einordnung
Cerebrolysin ist ein komplexer Fall: jahrzehntelange Anwendung, plausible Mechanismen, gemischte Studienlage. Für Deutschland: nicht verfügbar, nicht empfohlen. Interessant als Forschungssubstanz im Bereich Neuroprotektion.

