Hintergrund
Glutathion ist das wichtigste intrazelluläre Antioxidans des menschlichen Körpers. Jede Zelle synthetisiert es selbst aus den drei Aminosäuren Glutamat, Cystein und Glycin – wobei Cystein der limitierende Faktor ist. Mit zunehmendem Alter, bei oxidativem Stress und bei chronischen Erkrankungen sinkt der zelluläre GSH-Spiegel.
Hauptfunktionen
- Antioxidativer Schutz: Neutralisierung von Wasserstoffperoxid, Lipidperoxiden und reaktiven Sauerstoffspezies (ROS)
- Phase-II-Entgiftung: Konjugation von Xenobiotika in der Leber (via GST)
- Regeneration: Recycling von oxidiertem Vitamin C und Vitamin E
- Immunregulation: NK-Zell-Aktivität, T-Zell-Proliferation abhängig von GSH-Spiegel
- Melanin-Hemmung: GSH hemmt Tyrosinase → Aufhellung der Haut (umstrittene Praxis)
Das Bioverfügbarkeitsproblem
Oral zugeführtes Glutathion wird im Darm durch Peptidasen weitgehend zu den Einzelaminosäuren abgebaut. Alternativen:
- Liposomales GSH (deutlich besser als Standard-oral)
- NAC (N-Acetylcystein) – liefert die limitierende Vorstufe Cystein
- Alpha-Liponsäure – regeneriert GSH indirekt
- IV-Glutathion – direkteste Form, aber klinischer Kontext
Klinische Anwendungen
Glutathion-IV wird in der Krebstherapie zur Milderung von Chemotherapie-Nebenwirkungen eingesetzt (neuroprotektiv bei Cisplatin). In der Neurologie wird es bei Parkinson untersucht – GSH-Depletion im Substantia nigra ist ein frühes Merkmal der Erkrankung.
Rechtlicher Status (Deutschland)
Als Nahrungsergänzungsmittel (oral) frei verkäuflich. IV-Präparate: verschreibungspflichtig / Apothekenzubereitung. NAC als OTC-Präparat verfügbar.
Einordnung
Glutathion ist wissenschaftlich solide – als endogenes Molekül unbestreitbar essenziell. Die Supplementation ist sinnvoller über Vorstufen (NAC) als über direkte orale Gabe. Liposomale Formen sind eine valide Alternative.

