Hintergrund
Relaxin ist bekannt als Schwangerschaftshormon (Gebärmutterhals-Relaxation, Beckenbänder). Relaxin-3 ist sein neurobiologisches Cousin: Es wird fast ausschließlich im Gehirn produziert und hat kaum reproduktive Wirkungen – stattdessen koordiniert es Gedächtnis und Stressverhalten.
Der Nucleus incertus ist wenig bekannt, aber strategisch günstig gelegen: Sein Eingang liegt nahe dem medialen Septum und dem Hippocampus-Theta-Rhythmus-Schrittmacher.
Nucleus incertus: Stressintegrator
NI-Neurone (RXFP3-exprimierend) werden durch Stressoren aktiviert:
- Restraint-Stress → NI-RLN3-Neurone → hippokampaler Theta-Rhythmus↑
- Theta-Rhythmus: Wichtig für Gedächtniskonsolidierung und Navigation
- RLN3-KO-Mäuse: verändertes exploratorisches Verhalten, Hippocampus-Theta-Rhythmus reduziert
Orexigene Funktion
i.c.v. RLN3 → Nahrungsaufnahme↑ (orexigen), besonders bei Stress oder Fastenzustand. RXFP3 im Hypothalamus exprimiert (PVN, ARC, LH). Verbindung zum NPY/AgRP-System im ARC möglich.
RXFP3-Antagonisten für Sucht
RLN3/RXFP3 moduliert Belohnungsverhalten:
- RXFP3-Antagonisten reduzieren Alkohol-Präferenz in Rattenmodellen
- Blockade RLN3-Signaling → verminderte stressinduzierte Drogen-Suche
- RXFP3-Antagonist als neues Prinzip für Suchtmedizin?
Peptid-Agonisten/Antagonisten
Wegen der Zwei-Ketten-Struktur sind RLN3-Analoga komplex herzustellen:
- Chimäre RLN3/2-Peptide mit RXFP3-Selektivität
- R3(B1-22)R: B-Ketten-Analogon als RXFP3-Antagonist
- INSL5 bindet auch RXFP4 (verwandter Rezeptor)
Einschränkungen
Nur präklinische Daten. Komplexe Zwei-Ketten-Struktur erschwert Peptidtherapeutika. Keine klinische Entwicklung. Nucleus incertus wenig bekannt – Grundlagenforschung dominiert.

