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#222

Relaxin-3

RLN3 / INSL7 – Neuropeptid mit Stress-, Appetit- und Gedächtnisfunktionen

Was es ist

Relaxin-3 (RLN3, auch INSL7) ist das neurobiologisch bedeutsamste Mitglied der Relaxin/Insulin-Peptid-Superfamilie.

Es hat die typische Zwei-Ketten-Struktur mit A- und B-Kette, die durch 3 Disulfid-Brücken verbunden sind (ähnlich Insulin). RLN3 ist evolutionär das älteste Relaxin und wird hauptsächlich im Nucleus incertus (NI) im Pons exprimiert – einer kleineren Hirnregion, die weitreichende Projektionen in Hippocampus, Hypothalamus, Kortex und Amygdala sendet. RLN3 aktiviert RXFP3 (und schwächer RXFP4). Nucleus incertus/RXFP3-Aktivierung → koordinierte Effekte auf Gedächtniskonsolidierung (Theta-Rhythmus im Hippocampus), Stressantwort (HPA-Modulation), Nahrungsaufnahme↑ und Drogenmissbrauch-bezogenes Verhalten. RLN3-System als neue Angriffsstelle für Angst, PTSD und Sucht.

Wofür es erforscht wird

  • Hippocampaler Theta-Rhythmus
  • Gedächtnis und Lernen
  • Stressantwort
  • Appetit (orexigen)
  • Angst (RXFP3)
  • Sucht (RXFP3-Antagonisten)

Stand der Forschung

Evidenzlevel: präklinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Minuten bis Stunden. Nur zentral charakterisiert.

Anwendung in der Forschung

Forschungsreagenz. In Tierversuchen: i.c.v. RLN3 für Gedächtnis/Appetit-Experimente. RXFP3-Antagonisten (z.B. R3(B1-22)R) in präklinischen Stress/Angst-Studien. Kein klinisches Therapeutikum.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

Relaxin ist bekannt als Schwangerschaftshormon (Gebärmutterhals-Relaxation, Beckenbänder). Relaxin-3 ist sein neurobiologisches Cousin: Es wird fast ausschließlich im Gehirn produziert und hat kaum reproduktive Wirkungen – stattdessen koordiniert es Gedächtnis und Stressverhalten.

Der Nucleus incertus ist wenig bekannt, aber strategisch günstig gelegen: Sein Eingang liegt nahe dem medialen Septum und dem Hippocampus-Theta-Rhythmus-Schrittmacher.

Nucleus incertus: Stressintegrator

NI-Neurone (RXFP3-exprimierend) werden durch Stressoren aktiviert:

  • Restraint-Stress → NI-RLN3-Neurone → hippokampaler Theta-Rhythmus↑
  • Theta-Rhythmus: Wichtig für Gedächtniskonsolidierung und Navigation
  • RLN3-KO-Mäuse: verändertes exploratorisches Verhalten, Hippocampus-Theta-Rhythmus reduziert

Orexigene Funktion

i.c.v. RLN3 → Nahrungsaufnahme↑ (orexigen), besonders bei Stress oder Fastenzustand. RXFP3 im Hypothalamus exprimiert (PVN, ARC, LH). Verbindung zum NPY/AgRP-System im ARC möglich.

RXFP3-Antagonisten für Sucht

RLN3/RXFP3 moduliert Belohnungsverhalten:

  • RXFP3-Antagonisten reduzieren Alkohol-Präferenz in Rattenmodellen
  • Blockade RLN3-Signaling → verminderte stressinduzierte Drogen-Suche
  • RXFP3-Antagonist als neues Prinzip für Suchtmedizin?

Peptid-Agonisten/Antagonisten

Wegen der Zwei-Ketten-Struktur sind RLN3-Analoga komplex herzustellen:

  • Chimäre RLN3/2-Peptide mit RXFP3-Selektivität
  • R3(B1-22)R: B-Ketten-Analogon als RXFP3-Antagonist
  • INSL5 bindet auch RXFP4 (verwandter Rezeptor)

Einschränkungen

Nur präklinische Daten. Komplexe Zwei-Ketten-Struktur erschwert Peptidtherapeutika. Keine klinische Entwicklung. Nucleus incertus wenig bekannt – Grundlagenforschung dominiert.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

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