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#217

Nocistatin

NST – Anti-Nozizeptives Peptid aus dem Prepronociceptin-Gen

Was es ist

Nocistatin (NST, auch als Prepronociceptin-abgeleitetes Peptid) ist ein 17-Aminosäuren-Peptid (murines NST: FGGGTCSRLSAFQPRGSE-OH, beim Menschen 30 AA), das aus dem Prepronociceptin-Proprotein entsteht – demselben Proprotein, das auch Nociceptin/Orphanin FQ (N/OFQ) generiert.

Entdeckt 1998 von Okuda-Ashitaka. Das Paradox: Während Nociceptin pro-nozizeptiv wirkt (spinale Schmerzsensibilisierung bei niedriger Dosis, spinale Antinozizeption bei hoher Dosis), hemmt Nocistatin nociceptininduzierte spinale Allodynie und ist insgesamt anti-nozizeptiv. Nocistatin bindet nicht an NOP-Rezeptoren (Nociceptin-Rezeptor) → eigenständiger noch-nicht-identifizierter Rezeptor postuliert. Spinale Injektion von Nocistatin hemmt Substanz-P-induzierten Juckreiz, NMDA-induzierten Schmerz und nociceptininduzierte Allodynie.

Wofür es erforscht wird

  • Chronischer Schmerz (Allodynie-Inhibition)
  • Juckreiz-Regulation
  • Spinale Pharmakologie
  • Nociceptin-System
  • Anti-Nozizeptive Peptide
  • Orphan-Rezeptor-Forschung

Stand der Forschung

Evidenzlevel: präklinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Kurz (Minuten). Nur in Tiermodellen charakterisiert.

Anwendung in der Forschung

Ausschließlich Forschungsreagenz. In Tierversuchen: intraspinal (i.t.) oder i.c.v. Applikation. Kein Therapeutikum.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

Die Entdeckung von Nocistatin 1998 war überraschend: Es entsteht aus demselben Proprotein wie Nociceptin (pro-nozizeptiv), hat aber gegenteilige Wirkungen. Ein Gen – ein Proprotein – zwei gegenteilige Neuropeptide. Ähnliches Prinzip wie bei Glucagon/Mini-Glucagon oder POMC/MSH/β-Endorphin.

Das Vorhandensein zweier antagonistischer Peptide aus demselben Proprotein deutet auf eine ausgeklügelte auto-regulatorische Balance hin.

Prepronociceptin-Proprotein: Drei Fragmente

Prepronociceptin (176 AA, Mensch)
→ Signalpeptid (N-terminal, abgespalten)
→ Nocistatin (Mitte des Proproteins): anti-nozizeptiv
→ Nociceptin/OFQ: NOP-Agonist, pro-nozizeptiv (niedrige Dosis spinal)

Die Prozessierungsreihenfolge und das Verhältnis der entstehenden Peptide könnten das lokale Schmerzgleichgewicht mitbestimmen.

Nicht-NOP-Rezeptor-Mechanismus

Nocistatin bindet nicht an NOP (ORL1-Rezeptor, Nociceptin-Rezeptor). Es blockiert dennoch Nociceptin-Effekte → ein eigenständiger Nocistatin-Rezeptor wurde postuliert, ist aber noch nicht kloniert oder eindeutig identifiziert. Dies ist eine wichtige offene Frage der Nocistatin-Biologie.

Juckreiz und Nocistatin

Intrathecales Nocistatin hemmt Substanz-P-induzierten Juckreiz (Kratzen-Verhalten bei Mäusen) stärker als Schmerz → mögliche anti-pruritische Komponente. Juckreiz-Therapie ist ein klinisch schlecht adressiertes Problem (chronischer Pruritus).

Einschränkungen

Nur in Tiermodellen (intraspinal/i.c.v. appliziert). Unbekannter Rezeptor limitiert mechanistisches Verständnis und Therapeutika-Design. Klinische Entwicklung stark begrenzt. Interessantes Konzept, aber orphaned in der Schmerz-Pharmakologie-Pipeline.

STUDIEN

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