Hintergrund
Das Dynorphin-System ist eines der am wenigsten verstandenen endogenen Opioid-Systeme, aber eines mit enormen therapeutischen Potenzial. Während Dynorphin A (#122) primär im Kontext des GnRH-Pulsgenerators (KNDy-System) relevant ist, hat Dynorphin B eine stärkere Verbindung zur Stress- und Sucht-Pharmakologie.
κOR vs. μOR: Gegensätzliche Emotionen
μ-Opioidrezeptor (MOR):
Liganden: Endorphin, Morphin, Fentanyl
Effekte: Euphorie, Analgesie, Atemdepression, Suchtpotenzial
κ-Opioidrezeptor (KOR):
Liganden: Dynorphin A/B, Salvinorin A
Effekte: Dysphorie, Sedation, Halluzinationen, KEIN Suchtpotenzial
Das KOR-System ist das endogene „Anti-Reward”-System: Es dämpft positive Emotionen und mediiert Stress-induzierte Dysphorie. Chronischer Stress → Dynorphin↑ → KOR-Aktivierung → Depression-ähnliche Zustände.
KOR-Antagonisten: Neue Antidepressiva?
KOR-Antagonisten blockieren die stressinduzierten KOR-Aktivierung:
- Aticapant (CERC-501): In Phase-II/III für PTSD und Major Depression
- Wirkmechanismus: KOR-Blockade → Stressinduzierte Dysphorie↓ → antidepressiv
- Unterschied zu klassischen Antidepressiva: Kein serotonerges Prinzip
Verbindung zu KNDy
Dynorphin B ist im KNDy-Neuronensystem des Nucleus arcuatus ko-exprimiert (mit Kisspeptin und NKB). Im GnRH-Pulsgenerator wirkt Dynorphin autokrin über KOR → Puls-Ende (Timing-Funktion). Dynorphin B könnte hier aktiver als Dynorphin A sein.
Salvinorin A: Pflanzlicher KOR-Agonist
Salvinorin A (aus Salvia divinorum) ist der einzige bekannte hochpotente pflanzliche KOR-Agonist (nicht-alkaloid). Extrem potente Halluzinationen, sehr kurz wirksam. → Zeigt die psychedelische Dimension des KOR-Systems (gegensätzlich zu μOR-Euphorie).
Einschränkungen
Dynorphin B direkt: kaum klinisch entwickelt. KOR-Antagonisten sind der therapeutisch relevante Ansatz. KOR-Agonisten (Dysphorie, Halluzinationen) nicht sinnvoll als Therapeutika (außer als Sucht-Antagonisten).

