Bodycode_Research
Weitere & verwandte WirkstoffeResearch Use OnlyProfil #154
#154

Deltorphin

Amphibien δ-Opioid-Peptid – Hochselektiver DOR-Agonist

Was es ist

Deltorphin bezeichnet eine Familie natürlicher heptapeptidischer δ-Opioid-Rezeptor (DOR)-Agonisten aus der Haut des südamerikanischen Froschs Phyllomedusa bicolor.

Deltorphin-I: Tyr-D-Ala-Phe-Asp-Val-Val-Gly-NH2; Deltorphin-II: Tyr-D-Met-Phe-His-Leu-Met-Asp-NH2. Beide enthalten D-Aminosäuren (D-Ala oder D-Met in Position 2), die zur Proteolyse-Resistenz und hohen δ-Selektivität beitragen. Deltorphine sind die selektivsten natürlichen DOR-Agonisten (Ki DOR ~1 nM, Ki MOR >1000 nM). Sie wurden nach der Entdeckung von Dermorphin (ebenfalls aus Phyllomedusa) gezielt aus demselben Fisch-Hautsekret isoliert.

Wofür es erforscht wird

  • δ-Opioid-Rezeptor-Pharmacologie
  • Schmerzforschung (delta-Analgesie)
  • Depression (DOR-Agonisten antidepressiv)
  • Kardioprotektion (DOR-Signaling)
  • Ischämische Präkonditionierung

Stand der Forschung

Evidenzlevel: präklinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Kurz (~Minuten) durch Peptidase-Abbau trotz D-Aminosäure; intrathekal länger wirksam.

Anwendung in der Forschung

Ausschließlich Forschungsreagenz. In Tierversuchen: i.c.v., i.t. oder i.v. Dosen nM-µM-Bereich. Keine klinische Anwendung.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

Premium freischalten – 99 € einmalig

Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

Die Entdeckung der Deltorphine (1989, Erspamer-Gruppe in Rom) war ein Meilenstein der Opioid-Peptid-Forschung. Zuvor waren selektive DOR-Agonisten nur durch chemische Modifikation synthetischer Enkephalin-Analoga zugänglich. Deltorphine ermöglichten erstmals, DOR-spezifische Physiologie in vivo zu erforschen.

Der Vergleich zwischen MOR- (Dermorphin) und DOR-Agonisten (Deltorphin) aus demselben Organismus ist pharmakologisch faszinierend: Evolution hat beide Rezeptortypen mit hochselektiven Werkzeugen ausgestattet.

Wirkmechanismus

  • DOR (δ-Opioid-Rezeptor, Gi-gekoppelt): Deltorphin-I/II binden mit sub-nM Affinität → Gi-Aktivierung → cAMP↓, GIRK-Kanal-Öffnung → Neuronale Hyperpolarisation
  • Schmerzmodulation: DOR-Agonisten wirken analgetisch, besonders bei chronischem/neuropathischem Schmerz; anderer Mechanismus als MOR
  • Antidepressiv: DOR-Aktivierung moduliert mesolimbisches Dopamin-System → anxiolytisch/antidepressiv in Tiermodellen
  • Kardioprotektiv: DOR in Kardiomyozyten → Ischämie-Präkonditionierung → Infarktgröße↓

DOR vs. MOR: Therapeutische Unterschiede

AspektMORDOR
AnalgesieStark, akutChronisch/neuropathisch
SuchtpotenzialHochGering
AtemdepressionJaKaum
AntidepressivWenigJa
ToleranzSchnellLangsamer

Klinische Relevanz der DOR-Agonisten

Deltorphin selbst ist zu instabil für klinische Entwicklung, aber es inspirierte: SNC80, ARM390 und andere synthetische DOR-Agonisten, die in klinischen Phase-I/II-Studien für Depression und Schmerz evaluiert wurden. Das Konzept der „DOR-Agonisten als Antidepressiva” basiert hauptsächlich auf Erkenntnissen aus Deltorphin-Tierstudien.

Einschränkungen

Zu kurze HWZ für systemische Anwendung. Krampfanfälle bei hohen DOR-Agonisten-Dosen (klassen-typische Nebenwirkung) limitieren therapeutisches Fenster. Bleibt wichtiges Forschungswerkzeug ohne direkte klinische Nutzung.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

WEITERE PROFILE

Verwandte Peptide

Zurück zur Datenbank
Teilen