Bodycode_Research
Antimikrobielle PeptideResearch Use OnlyProfil #241
#241

Teixobactin

Undekadepsipeptid – Erster Antibiotikum-Vertreter ohne Resistenzentwicklung

Was es ist

Teixobactin ist ein neuartiges Depsipeptid-Antibiotikum, das 2015 von Kim Lewis und Kollegen (Northeastern University) aus nicht-kultivierbaren Bodenbakterien (Eleftheria terrae) über iChip-Technologie (in situ cultivation) isoliert wurde.

Teixobactin (13 AA, zyklisch mit 4 D-Aminosäuren und Ester-Bindungen) bindet nicht an Proteine, sondern direkt an konservierte Zellwand-Vorläufer: Lipid II (Peptidoglykan-Precursor) UND Lipid III (Teichonsäure-Lipid-Precursor) → Peptidoglykan- und Teichonsäure-Synthese gleichzeitig blockiert → Zellwandsynthese-Kollaps → Gram-positive Bakterizidie. Da der Zielstoff (Lipid II) evolutionär hochkonserviert und nicht einfach mutierbar ist, entsteht kaum Resistenz. In Mausmodellen: MRSA, VRE, C. difficile ohne messbarer Resistenz nach 27 Passagen. Klinische Entwicklung: NovaBiotics/Destiny Pharma.

Wofür es erforscht wird

  • MRSA (post-Antibiotikaresistenz-Ära)
  • VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken)
  • C. difficile
  • Resistenzfreie Antibiotika-Entwicklung
  • Zellwandsynthese-Hemmung
  • iChip-Kultivierung-Technologie

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Noch in Entwicklung. In Tiermodellen: wirksam nach s.c./i.v. Gabe.

Anwendung in der Forschung

In klinischer Entwicklung: NovaBiotics (LysinPeptid) – i.v./topisch. Kein zugelassenes Medikament. Phase-I/II-Studien geplant/laufend. Synthetische Analoga in Optimierung (Romo1-Teixobactin).

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

Premium freischalten – 99 € einmalig

Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

Die Entdeckung von Teixobactin 2015 (Nature-Paper von Ling und Lewis) war die erste bedeutende Antibiotikaklasse-Entdeckung seit Jahrzehnten und das erste Antibiotikum, das ohne messbares Resistenzpotenzial wirkt. Sie wurde als "Game Changer" in der antibiotischen Forschung diskutiert.

Der entscheidende methodologische Durchbruch: iChip-Technologie erlaubt erstmals die Kultivierung von Bodenbakterien, die in Standard-Laborkulturen nicht wachsen – ein riesiges, bisher unzugängliches Reservoir von Naturstoffproduzenten.

Warum kein Resistenz? Dualer konservierter Zielangriff

Klassische Antibiotika-Resistenz durch:

  • Ziel-Protein-Mutation (erblich, schnell)
  • Effluxpumpen, Enzyme (β-Laktamase)

Teixobactin bindet nicht an Proteine (keine Ziel-Mutation möglich), sondern an Lipid II und Lipid III – Moleküle, die evolutionär hochkonserviert sind, weil Mutationen hier tödlich für die Bakterienzelle wären:

  • Lipid II: Peptidoglykan-Vorläufer → Zellwand
  • Lipid III: Lipoteichonsäure-Vorläufer → Zellwandanker

Doppelter Angriff auf zwei essenzielle, nicht-mutierbare Ziele → theoretisch resistenzfrei.

In-vivo-Wirksamkeit (Tier)

MRSA-Septikämie-Mausmodell: Teixobactin superior zu Vancomycin. MRSA-Pneumonie: 200 mg/kg i.p. → komplette Heilung. C. difficile im Kolon: wirksam. VRE: sensitiv.

iChip-Technologie: Revolution der Naturstofffindung

Bis 99% der Bodenbakterien sind nicht kultivierbar in Standard-Nährlösungen. iChip platziert einzelne Bodenbakterienzellen in Miniaturkammern mit Bodensandalenfilter → Zellen erhalten ihre natürliche Umgebung → wachsen. 50× mehr Spezies kultivierbar → Riesiges unbetretenes Antibiotika-Reservoir.

Synthetische Zugänglichkeit

Teixobactin ist strukturell komplex (D-Aminosäuren, Depsipeptid-Bindungen). Totalsynthese 2016 gelungen (mehrere Gruppen). Vereinfachte Analoga (Ser-Teixobactin: Ala statt D-Phe) behalten Aktivität → Optionen für industrielle Produktion.

Einschränkungen

Nur Gram-positive (kein Gram-negative, äußere Membran). Klinische Entwicklung noch früh (Phase I). Synthetische Herstellung komplex. Orale Bioverfügbarkeit unbekannt. Keine Resistenz ist theoretisch für derzeit getestete Dauer.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

WEITERE PROFILE

Verwandte Peptide

#51Research Use Only

LL-37

Cathelicidin – Antimikrobielles Peptid des Immunsystems

LL-37 ist das einzige humane Cathelicidin-Peptid. Breitspektrum-antimikrobielle Aktivität gegen Bakterien, Viren und Pilze. Immunmodulatorisch aktiv. Forschungsschwerpunkte: chronische Wunden, antivirale Therapie, Sepsis.

Antimikrobielle Peptide (AMPs) und ResistenzforschungChronische Wundheilung (venöse Ulzera)Antivirale Aktivität (Influenza
Antimikrobielle PeptideEvidenz: präklinisch
#52Research Use Only

Defensine

α- und β-Defensine – Antimikrobielle Barrierepeptide

Defensine sind eine Familie cysteinreicher antimikrobieller Peptide des angeborenen Immunsystems. Beim Menschen: α-Defensine (Neutrophile) und β-Defensine (Epithelzellen). Breites Wirkspektrum gegen Bakterien, Pilze, Viren. Forschungsbereich: Infektionskrankheiten, IBD, Dysbiose.

Antimikrobielle Barrierefunktion (Haut, Schleimhäute)Morbus Crohn / IBD (HD-5, HD-6 Defizienz)Antivirale Aktivität (HIV, Herpes, Influenza)
Antimikrobielle PeptideEvidenz: präklinisch
#53Research Use Only

Magainin

Amphibien-AMP – Strukturvorbild für synthetische Antibiotika

Magainine sind antimikrobielle Peptide aus der Haut des Afrikanischen Krallenfrosches (Xenopus laevis). Grundlagenforschung und Inspirationsquelle für synthetische AMPs. Pexiganan (Magainin-Derivat) scheiterte in Phase-III, bleibt aber Forschungsmodell.

Antimikrobielle Peptid-Forschung (AMPs)Antibiotikaresistenz-ForschungStrukturbasis für synthetische AMPs
Antimikrobielle PeptideEvidenz: präklinisch
Zurück zur Datenbank
Teilen