Hintergrund
Defensine sind evolutionär hochkonservierte Peptide – sie finden sich in Pflanzen, Insekten, Wirbeltieren und Menschen. Beim Menschen bilden sie die erste chemische Verteidigungslinie gegen Pathogene an Schleimhäuten und Epithelien.
α-Defensine: Neutrophile und Paneth-Zellen
HNP-1 bis HNP-4 (Human Neutrophil Peptides) werden in den azurophilen Granula von Neutrophilen gespeichert und bei Aktivierung freigesetzt. HD-5 und HD-6 werden in Paneth-Zellen des Dünndarms sezerniert und regulieren die intestinale Mikrobiota.
β-Defensine: Epitelialer Schutzschild
hBD-1 wird konstitutiv in Haut, Atemwegen und Urogenitaltrakt exprimiert. hBD-2 und hBD-3 werden durch Pathogene und Entzündungssignale induziert (via NF-κB). Wichtig für die antimikrobielle Barrierefunktion der Haut.
Defensine und Morbus Crohn
Bei Morbus Crohn (besonders ilealer Befall) ist die Paneth-Zell-Funktion beeinträchtigt – HD-5/HD-6-Expression reduziert. Dies erklärt die gestörte Mikrobiom-Kontrolle im terminalen Ileum. Defensin-basierte Therapieansätze werden erforscht.
Antivirale Aktivität
α-Defensine hemmen HIV-1 (direkte Virion-Aggregation), Herpes simplex und Influenza. β-Defensine können TLR4 aktivieren und so adaptive Immunantworten triggern.
Therapeutisches Potential
Rekombinante Defensine oder Defensin-Mimetika könnten Alternative zu klassischen Antibiotika darstellen – besonders relevant für multiresistente Keime. Herausforderungen: Proteaseresistenz, Zytotoxizität höherer Konzentrationen, Delivery.
Rechtlicher Status (Deutschland)
Research-only. Keine zugelassenen Defensin-Therapeutika.
Einordnung
Defensine sind wissenschaftlich solide etabliert als zentrale Komponenten der angeborenen Immunabwehr. Als therapeutische Modalität noch im Frühstadium – vielversprechend für das post-Antibiotika-Zeitalter.

