Hintergrund
Substanz P (von „substance P” = powder/preparation) wurde 1931 als erstes Neuropeptid überhaupt entdeckt – in einem Extrakt aus Darm- und Hirngewebe, der Darmmotilität und Blutdrucksenkung bewirkte. Mehr als 90 Jahre später ist es immer noch eines der am intensivsten erforschten Schmerz-Neuropeptide.
Rolle in der Schmerzübertragung
Substanz P ist der klassische Neurotransmitter der Schmerzübertragung im peripheren und zentralen Nervensystem:
- Freigesetzt aus C-Fasern (langsame Schmerzfasern)
- Aktiviert NK1-Rezeptoren im Hinterhorn des Rückenmarks
- Bei Fibromyalgie erhöhte SP-Spiegel im Liquor nachweisbar
- Beteiligt an neurogener Entzündung (axonaler Reflex)
Therapeutische Konsequenzen
Anstatt SP selbst zu blockieren, entwickelte man NK1-Rezeptor-Antagonisten. Aprepitant (Emend) ist ein NK1-Antagonist und zugelassen zur Prophylaxe von chemotherapieinduzierter Übelkeit – ein indirekter Beweis für die klinische Relevanz des SP-Systems.
Rechtlicher Status (Deutschland)
Endogenes Neuropeptid. NK1-Antagonisten als Arzneimittel verschreibungspflichtig.
Einordnung
Substanz P ist ein Paradebeispiel für die Komplexität der Neuropeptid-Pharmakologie: Das Peptid selbst ist nicht therapeutisch einsetzbar, aber das Verständnis seiner Rezeptoren führte zu wirksamen Antiemetika.

