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Hormone & NeuropeptideResearch Use OnlyProfil #219
#219

Substanz P

SP – NK1R-Agonist, Schmerz-Neuropeptid und Entzündungsmediator

Was es ist

Substanz P (SP, RPKPQQFFGLM-NH2, 11 AA) wurde 1931 von von Euler und Gaddum als erste Tachykinin entdeckt (Substanz aus Pulver – daher 'P').

SP ist der klassische Neuropeptid-Transmitter für Schmerzsignalübertragung: C-Fasern (langsamer, brennender Schmerz) ko-transmittieren SP mit Glutamat in der Spinalganglion → dorsal horn Neurone → Schmerzübertragung. SP bindet bevorzugt NK1-Rezeptoren (auch Neurokinin-1-Rezeptor, NK1R). Neben Schmerz: SP mediiert neurogene Entzündung (Mastzell-Degranulation, Vasodilatation, Plasmaextravasation), Juckreiz (Pruritus), Erbrechen (Area postrema), und hat Wirkungen auf Immunzellen und Intestinal-Motilität. NK1R-Antagonisten (Aprepitant/Emend® für CINV) sind zugelassen und sehr erfolgreich.

Wofür es erforscht wird

  • Schmerz (C-Faser-Transmission)
  • CINV (Aprepitant – klinisch)
  • Neurogene Entzündung
  • Juckreiz (Pruritus)
  • Depression/Angst (NK1R-Antagonisten)
  • Neuroinflammation (SP im ZNS)

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Sekunden bis wenige Minuten. Neutraler Endopeptidase (NEP) und ACE-sensitive.

Anwendung in der Forschung

SP selbst: therapeutisch nicht direkt genutzt (Kurzlebigkeit, kein selektiver Effekt nötig). Klinisch: NK1R-Antagonisten: Aprepitant (Emend®, 1×/Tag oral) für CINV; Fosaprepitant (i.v.); Netupitant/Aprepitant (Akynzeo®). NK1R-Antagonisten für Depression: Casopitant, Vofopitant – Phase II, nicht zugelassen.

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Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

Substanz P ist eines der am längsten bekannten Neuropeptide – 1931 entdeckt, 1971 in seiner Sequenz charakterisiert. Es hat jahrzehntelang das Verständnis von Peptid-vermittelter Schmerzübertragung dominiert.

Die Tachykinin-Familie (SP, NKA/Substanz K, NKB) ist strukturell verwandt (C-terminales FXGLM-NH2-Motiv) und bindet NK1R (SP), NK2R (NKA) und NK3R (NKB) mit unterschiedlichen Präferenzen.

SP und Schmerz: Die Gate-Control-Ebene

SP im spinalen Hinterhorn ist ein zentraler Modulator der Schmerzübertragung:

  • C-Faser-Aktivierung → SP-Freisetzung ins Hinterhorn
  • SP → NK1R auf dorsalen Horn-Neuronen → langsame EPSP-Komponente
  • Gleichzeitig: Glutamat → AMPA/NMDA → schnelle Komponente
  • SP potenziert NMDA-Rezeptor-Aktivierung → Schmerz-Sensibilisierung (Wind-up)

Dieses Wind-up durch SP erklärt die Chronifizierung von Schmerz.

NK1R-Antagonisten: CINV-Erfolg, Schmerz-Enttäuschung

Erfolg: Aprepitant (2003 zugelassen) → sehr effektiv gegen cisplatin-induziertes Spätbrechen (NK1R-Antagonismus im Brechzentrum)

Enttäuschung: NK1R-Antagonisten für Schmerz (analgetisch) enttäuschten in klinischen Studien – SP-Blockade im Rückenmark allein reicht nicht für klinische Analgesie. Komplexes Schmerznetzwerk.

Depression: NK1R-Antagonisten (MK-869/Aprepitant) zeigten anfängliche positive Depression-Studien (Merck), scheiterten aber in Phase III. Offene Frage.

SP und Neuroinflammation

SP → Mastzellen → Degranulation → Histamin, Serotonin, TNF-α → neurogene Entzündung → Relevant für: Neuroderatitis, Psoriasis, Migräne (trigeminale SP-Freisetzung), CRPS

Einschränkungen

SP-Pharmakologie komplex: NK1R, NK2R, NK3R mit Überlappungen. NK1R-Antagonisten für Schmerz klinisch enttäuschend. Für CINV sehr wirksam. SP direkt therapeutisch nicht nutzbar (Kurzlebigkeit, breite Wirkungen).

STUDIEN

Verlinkte Forschung

01
Review2017

Role of hemokinin-1 in health and disease

Borbély É, et al. · Neuropeptides

Hinweis: Wir empfehlen, jede zitierte Studie eigenständig zu prüfen. Aktualität, Methodik und Übertragbarkeit auf den Menschen sollten kritisch bewertet werden.

WEITERE PROFILE

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