Hintergrund
GnIH (Gonadotropin-Inhibitory Hormone) wurde 2000 bei Vögeln entdeckt – ein unerwartetes Gegenstück zum bekannten GnRH. Die Entdeckung war überraschend: Jahrzehntelang wurde angenommen, dass GnRH das einzige hypothalamische Peptid ist, das Gonadotropine reguliert. GnIH zeigte, dass es auch einen direkten Inhibitor gibt.
Das Säugetier-Homolog RFRP-3 wurde 2004–2006 identifiziert. Es bildet mit Kisspeptin ein Yin-Yang-Paar der Reproduktions-Regulation.
RFRP-3 vs. Kisspeptin: Yin/Yang
Reproduktive Funktion:
STIMULATION: Kisspeptin → GPR54 → GnRH↑ → LH/FSH↑ → Gonaden aktiv
HEMMUNG: RFRP-3 → NPFFR1 → GnRH↓ → LH/FSH↓ → Gonaden gehemmt
Beide Systeme reagieren auf:
- Energiestatus: Leptinmangel → Kisspeptin↓ + RFRP-3↑ → Reproduktionshemmung
- Stress: Cortisol → RFRP-3↑ → GnRH↓ → Amenorrhoe
- Jahreszeit (Tier): Photoperiode → RFRP-3 moduliert saisonal
Stressinduzierte Amenorrhoe
Mechanismus: Stressor → CRH↑ → ACTH → Cortisol → RFRP-3-Neuronen im DMH aktiviert → RFRP-3↑ → GnRH-Neuronen gehemmt → LH-Pulse↓ → Amenorrhoe
Relevant für:
- Functional Hypothalamic Amenorrhea (FHA)
- Übertraining-bedingte Menstruationsstörungen
- Anorexia nervosa-assoziierte Reproduktionssuppression
NPFFR1-Antagonisten als Therapeutika
RFRP-3-Hemmung durch NPFFR1-Antagonisten könnte reproduktive Funktion bei stress-bedingtem Hypogonadismus wiederherstellen. In Entwicklung, aber früh.
Einschränkungen
RFRP-3 im Menschen schlechter charakterisiert als bei Tieren. NPFFR1 (GPR147) auch Rezeptor für Nociceptin-ähnliche RFamide → Selektivitätsproblem. Keine klinischen RFRP-3-Therapeutika.

