Hintergrund
26RFa/QRFP wurde 2003 fast zeitgleich von zwei unabhängigen Forschungsgruppen (Chartrel/Leprince in Rouen und Fukusumi in Japan) entdeckt – klassischer Orphan-GPCR-Deorphanisierungs-Ansatz. GPR103 (der Rezeptor) war zuvor bekannt, sein endogener Ligand aber unbekannt.
Der pyroglutamatische N-Terminus ist eine interessante Modifikation: Er entsteht durch spontane Zyklisierung von Glutamin und schützt das Peptid vor N-terminaler Degradierung.
Orexigene Wirkung
Zentral (i.c.v.) injiziertes 26RFa stimuliert Nahrungsaufnahme bei Ratten und Mäusen stark – in einem Ausmaß, das mit NPY vergleichbar ist. Mechanismus: GPR103 auf orexigenen Neuronen im Hypothalamus → Gi → cAMP↓ → erhöhte Aktivität nahrungsregulierender Neuropeptide.
Interessant: 26RFa-Spiegel steigen bei Fasten an, fallen nach Füttern – klassisches Hungersignal-Profil.
Nebennieren-Wirkung
GPR103 wird auf humanen Nebennierenrinden-Zellen exprimiert. 26RFa → Aldosteron-Sekretion↑ + Cortisol-Sekretion↑ → mögliche Rolle in adrenaler Stress-Antwort. Dies könnte ein Verbindungsglied zwischen Energiestress und HPA-Aktivierung sein.
Verbindung zur RFamide-Familie
26RFa gehört zur breiten RFamide-Peptid-Familie, zu der auch gehören:
- RFRP-3/GnIH (#208) → NPFFR1, Reproduktionshemmung
- Neuropeptid FF (NPFF) → NPFFR1/2, Schmerz
- PrRP (Prolaktin-Releasing Peptid) → GPR10, Prolaktin
- QRFP-43 (längere 43RFa-Form von 26RFa selbst)
Einschränkungen
Nur präklinische Daten. GPR103-Agonismus → orexigen (problematisch für Adipositas-Therapie). Adrenale Effekte komplex. Keine klinische Entwicklung bekannt. Wissenschaftlich interessant als Teil der RFamide-Neuropeptid-Landschaft.

