Hintergrund
PTH wurde 1925 entdeckt, als Collip zeigte, dass Hunde nach Parathyreoidektomie an tetanischen Krämpfen sterben und Extrakte aus Nebenschilddrüsen sie retten können. Erst 1970 wurde die vollständige PTH-Sequenz aufgeklärt.
Das paradoxe Anabolikum-Prinzip von PTH: Chronisch erhöhtes PTH (primärer Hyperparathyreoidismus) führt zu Knochenabbau und Frakturen. Pulsatile exogene PTH-Gabe (täglich einmal) führt zu Knochenaufbau. Diese scheinbare Paradoxie wurde durch die verschiedenen Signalkaskaden erklärt: kurzer cAMP-Puls aktiviert Osteoblasten stärker als Osteoklasten.
Wirkmechanismus
- PTH1R (Gs + Gq): cAMP↑ + IP3↑ → Knochenmetabolismus-Regulation
- Anaboles Signaling (pulsatil): cAMP-Burst → Osteoblasten-Aktivierung dominant → Knochenformation > Resorption
- Katabolisches Signaling (kontinuierlich): Dauerhaftes cAMP → RANKL↑ auf Osteoblasten → Osteoklastenaktivierung → Knochenabbau
- Renale Wirkung: Kalzium-Rückresorption↑, Phosphat-Ausscheidung↑, Calcitriol-Synthese↑
Teriparatid vs. Abaloparatid
Beide sind PTH1R-Agonisten für Osteoporose:
- Teriparatid (PTH 1-34): Klinisch etablierter Standard, Jahrzehnte Erfahrung
- Abaloparatid (PTHrP-Analogon): Neueres Peptid, möglicherweise weniger Hyperkalzämie
Hypoparathyreoidismus-Therapie
Hypoparathyreoidismus (selten: nach Schilddrüsen-OP) führt zu chronischer Hypokalzämie. Natpara® (PTH 1-84, Shire): erste PTH-Ersatztherapie für diese Indikation (FDA 2015). Ersetzt Kalzium/Vitamin-D-Supplementierung mit physiologischerer Wirkweise.
Einschränkungen
Teriparatid max. 24 Monate (Osteosarkom-Boxwarning aus Rattenstudien, nicht beim Menschen beobachtet). Nach Teriparatid-Ende: Anti-Resorptivum essentiell für Erhalt des Knochengewinns. Teuer.

