Hintergrund
PrRP wurde 1998 durch Orphan-GPCR-Deorphanisierung entdeckt (GPR10 als Ziel-Rezeptor). Der Name ist historisch unglücklich: Prolaktin-stimulierende Wirkung ist eher schwach, die Appetit-Stressrolle ist physiologisch bedeutsamer.
Die Entdeckung, dass PrRP-KO-Mäuse Spät-Adipositas entwickeln (nach Woche 20), bestätigt die physiologische Relevanz für Gewichtsregulation.
PrRP im Sättigungs-Netzwerk
PrRP-Neuronen sitzen strategisch im Nucleus tractus solitarius (NTS) im Hirnstamm – einer Schlüsselstation für viszerale Signale:
Mahlzeit → Magendehnung → CCK-Sekretion → Vagus-Afferenzen → NTS
→ PrRP-Neuronen aktiviert → Signal weiter zu Hypothalamus (PVN, ARC)
→ PrRP → GPR10 → Nahrungsaufnahme↓
PrRP ist ein Mediator der Vagus-Sättigungs-Achse – ähnlich wie andere NTS-Neuropeptide (CCK, GLP-1, PYY).
Verbindung zu Leptin
Leptin-Rezeptoren befinden sich auch auf PrRP-Neuronen im NTS:
- Leptin aktiviert NTS-PrRP-Neurone
- PrRP könnte downstream-Mediator der zentralen Leptin-Wirkung sein
- Bei Leptin-Resistenz (Adipositas): PrRP-Signaling gestört?
PrRP-Analoga: Stabilitätsherausforderung
PrRP20/31 ist schnell im Plasma degradiert. Ansätze:
- Lipidkonjugation (Palmitinsäure-PrRP20) → verlängerte HWZ
- β-Alanin-Substitutionen
- D-Aminosäuren im C-terminalen Bereich
- PEGylierung
Palmityl-PrRP20 zeigt in Maus-Modellen effektive Gewichtsreduktion nach subkutaner Gabe.
Einschränkungen
Kein klinisches Therapeutikum. GPR10 ist ein interessantes Target für Adipositas, aber konservative Entwicklung. Prolaktin-Achse: PrRP-Wirkung zu schwach für therapeutische Nutzung. Stabilisierte Analoga sind notwendig für systemische Anwendung.

