Hintergrund
Prokineticin-2 ist ein faszinierendes Beispiel für ein Peptid mit scheinbar disparaten Funktionen: zirkadianer Rhythmus, Reproduktion (GnRH-Migration), Schmerz und Angiogenese. Der gemeinsame Nenner: PROKR2 ist an all diesen Prozessen beteiligt.
Die Entdeckung von PROKR2-Mutationen beim Kallmann-Syndrom (2006) war ein klinischer Durchbruch: erstmals konnte ein Kallmann-Syndrom-Fall auf einen Defekt in der GnRH-Neuronen-Migration durch ein Peptid-Rezeptor-Gen zurückgeführt werden.
Kallmann-Syndrom: PROKR2-Mutationen
Kallmann-Syndrom = hypogonadotroper Hypogonadismus (fehlende Pubertät) + Anosmie (kein Geruchssinn).
Ursache: Defekte Migration von GnRH-Neuronen (entwickeln sich in der Nasenplakode, müssen in den Hypothalamus einwandern).
PROK2/PROKR2 steuert diese Migration. PROKR2-Loss-of-Function-Mutationen → GnRH-Neurone bleiben in der Riechschleimhaut stecken → kein GnRH-Puls → kein LH/FSH → kein Pubertas.
PROK2 als zirkadianer Output-Signal
SCN (Suprachiasmatischer Nucleus) = biologische Uhr. PROK2 ist ein Output-Signal:
- Am Tag: PROK2 im SCN hoch
- Nachts: PROK2 niedrig
- PROK2 → PROKR2 auf extra-SCN-Neuronen → synchronisiert periphere Uhren
- PROK2-KO-Mäuse: veränderte zirkadiane Verhaltensrhythmik
Pro-nozizeptive Wirkung
Bei Gewebeschäden (Entzündung, Verletzung): PROK2 lokal hochreguliert → PROKR2 auf peripheren nozizeptiven Neuronen → Hyperalgesie, Allodynie. PROKR2-Antagonisten reduzieren Entzündungsschmerz in Tiermodellen.
Einschränkungen
PROKR2-Diagnostik klinisch (Kallmann-Genetik), keine PROK2-Therapeutika. PROKR2-Antagonisten für Schmerz: präklinisch. Zirkadianer Kontext: interessant für Schlafstörungsforschung, aber noch kein Drug.

