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Antimikrobielle PeptideIn DE zugelassenProfil #230
#230

Polymyxin B

PMB – Zyklisches Lipopeptid-Antibiotikum der letzten Instanz

Was es ist

Polymyxin B (PMB) ist ein natürliches zyklisches Lipodecapeptid-Antibiotikum aus Bacillus polymyxa, FDA-zugelassen seit 1964.

Polymyxine bestehen aus einem 7-Aminosäuren-Ringpeptid + 4-AA-linearem Schwanz + Fettsäure (N-terminale 6-Methylheptansäure). Polymyxin B (PMB) und Polymyxin E (Colistin) sind die zwei klinisch relevanten Vertreter. PMB wirkt ausschließlich gegen Gram-negative Bakterien durch direkte Interaktion mit Lipopolysaccharid (LPS) in der äußeren Membran: Positiv geladene PMB-Aminogruppen (Diaminobuttersäure-Reste) → Verdrängung von Ca²⁺/Mg²⁺ → destabilisiert Lipid A → Porenbildung → bakterizider Membrandefekt. Als einziges Antibiotikum wirksam gegen carbapenemresistente Gram-negative (CRE, NDM-positiv) → 'last-line' Antibiose.

Wofür es erforscht wird

  • Multiresistente Gram-negative (XDR/PDR)
  • Carbapenem-resistente Enterobacteriaceae (CRE)
  • Acinetobacter baumannii (CRAB)
  • Pseudomonas aeruginosa (CRPA)
  • LPS-Neutralisation
  • Synergismus mit anderen Antibiotika

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Renal eliminiert. Systemisch: t½ 4-6 Stunden. Nicht gewebegängig (hohe Plasma-Proteinbindung).

Anwendung in der Forschung

Systemisch: Polymyxin B Sulfat i.v. (25.000–50.000 IU/kg/Tag). Topisch: Polymyxin B in Ohrdrops, Augentropfen (sehr verbreitet: Polymyxin-Neomycin-Kombination). Inhalativ: Colistin (PME) häufiger als PMB. Reserveantibiotikum für XDR-Infektionen.

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Verschreibungspflichtiges Medikament

Diese Substanz ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen und ausschließlich auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Die Inhalte dieser Seite dienen nur der Information über Forschungsstand und Wirkmechanismus – sie ersetzen keine ärztliche Beratung und stellen keine Anwendungsempfehlung dar.

Hintergrund

Polymyxine wurden in den 1940ern entdeckt, dann in den 1970ern wegen Nephrotoxizität verlassen, und sind seit den 2000ern zurückgekehrt – erzwungen durch die Explosion multiresistenter Gram-negativer Infektionen. Die Menschheit konnte sich damals keine Bakterien vorstellen, gegen die Polymyxine die letzte Option sind. Die Antibiotika-Resistenz-Krise hat das geändert.

Wirkmechanismus: Lipid-A-Disruption

PMB (kationisch, Diaminobuttersäure-Reste)
→ Gram-negative äußere Membran
→ Kompetitive Verdrängung von Ca²⁺/Mg²⁺ an LPS-Lipid-A
→ Strukturstörung der äußeren Membran
→ Innere Membran-Permeabilisierung (Selbst-vermittelt)
→ Ionenleck → Zelltod

PMB wirkt konzentrationsabhängig und schnell bakterizid.

Polymyxin B vs. Colistin (Polymyxin E)

ParameterPMBColistin (PME)
FormDirekt aktivProdrug CMS (Colistimethansulfat)
AktivierungNicht nötigIn vivo zu Colistin
RenalNephrotoxischPME-Prodrug weniger nephrotoxisch? (umstritten)
VerbreitungUSAEuropa stärker

Nephrotoxizität und Neurotoxizität

Polymyxin B-Nephrotoxizität (akute Tubulusnekrose) tritt bei 20-50% der systemisch behandelten Patienten auf. Neurotoxizität: Parästhesien, Neuromuskuläre Blockade. Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) notwendig.

LPS-Neutralisation: Adjunkter Einsatz

PMB bindet LPS mit hoher Affinität → endotoxin-neutralisierend. PMB-immobilisierte Fiber-Säulen (Toraymyxin®) werden in Japan/Europa zur extrakorporalen LPS-Entfernung bei Sepsis eingesetzt (strittige klinische Evidenz).

Einschränkungen

Nephrotoxizität limitiert Dosierung. Resistenzentwicklung möglich (mcr-1-Gen, plasmid-vermittelt). Kein Einsatz bei Gram-positiven. Schlechte Gewebe-Penetration (ZNS, Lunge). TDM-geführte Dosierung wichtig.

STUDIEN

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