Bodycode_Research
Antimikrobielle PeptideResearch Use OnlyProfil #244
#244

Plectasin

Pilz-Defensin-Mimetikum – Lipid-II-Binder ohne Membranporenbildung

Was es ist

Plectasin ist ein 40-Aminosäuren-Peptid aus dem Ascomyzet Pseudoplectania nigrella (Schwarzer Champignon der Erde), entdeckt 2005 von Mygind und Watts.

Es hat die klassische Cysteinreiche α/β-Defensin-Faltung (CSαβ-Motiv), ist aber funktionell verschieden: Plectasin tötet Bakterien nicht durch Membranporen (wie Defensine), sondern durch direkte Bindung an Lipid II (Peptidoglykan-Precursor, C55-PP-MurNAc-GlcNAc-Peptid) → Peptidoglykan-Synthese blockiert. Dieser Mechanismus ähnelt Vancomycin, aber Plectasin bindet eine andere Stelle des Lipid II. Hochselektiv gegen Gram-positive (Streptococcus pneumoniae, MRSA, VRE). Kein Gram-negative (äußere Membran). NovoBiotic: NZ2114 (Plectasin-Analogon mit verbesserter Pharmakokinetik) in Phase I/II.

Wofür es erforscht wird

  • Pneumokokken-Pneumonie
  • MRSA-Infektionen
  • Lipid-II-Targeting (Antibiotikum-Klasse)
  • Pilz-AMP-Biologie
  • Defensin-Struktur-Funktion
  • NZ2114-klinische Entwicklung

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Gut proteaseresistent (Disulfid-Brücken, kompakte Faltung). In vivo: Stunden. Analoga optimiert.

Anwendung in der Forschung

Forschungsreagenz. NZ2114 (Analogon): klinische Entwicklung (NovoBiotic Pharmaceuticals) für Pneumonie und Haut/Weichteil-Infektionen. Phase I/II laufend.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

Premium freischalten – 99 € einmalig

Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

Die Entdeckung von Plectasin 2005 war ein Meilenstein: Erstmals wurde ein Defensin-ähnliches Peptid aus einem Pilz (nicht aus Tier oder Pflanze) isoliert. Noch bedeutsamer: Der Wirkmechanismus unterschied sich fundamental von allen bekannten Defensinen.

Die Aufklärung des Lipid-II-Bindungsmechanismus 2010 (Science, Schneider et al.) vertiefte das Bild und erklärte die hohe Selektivität gegen Gram-positive bei geringer Resistenzentwicklung.

Defensin-Faltung, aber nicht-Defensin-Wirkung

CSαβ-Motif (Cystein-stabilisiertes α/β):

  • Klassische Defensin-Architektur (3 Disulfid-Brücken, β-Faltblatt + α-Helix)
  • Wie β-Defensine kompakt und proteaseresistent
  • Aber: Kein Porenbildungsmechanismus → keine unselektive Membranstörung
Plectasin → Lipid II (N-acetylmuramyl-Pentapeptid-PP-C55)
→ Komplex → Peptidoglykan-Synthase kann Lipid II nicht erkennen
→ Zellwandsynthese gestoppt → Gram-positive Bakteriolyse

Vergleich: Plectasin vs. Vancomycin

Beide hemmen Peptidoglykan durch Lipid-II-Bindung, aber:

  • Vancomycin bindet das D-Ala-D-Ala-Ende des Lipid-II-Peptids
  • Plectasin bindet die Pyrophosphat-GlcNAc-MurNAc-Region (anders!)
  • Keine Kreuzresistenz zwischen Plectasin und Vancomycin (unterschiedliche Bindungsstellen)
  • VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken = D-Lac statt D-Ala): sensitiv gegen Plectasin

NZ2114: Klinisches Analogon

NZ2114 (1 Aminosäure-Substitution von Plectasin):

  • Verbessertes Pharmakokinetik-Profil
  • Breiteres Spektrum (einige Staphylokokken-Stämme besser)
  • Wirksam in Maus-Pneumonimodell (Pneumokokken, S. aureus)
  • Phase I: gut verträglich

Einschränkungen

Nur Gram-positive. Klinische Entwicklung noch früh. Komplexe Produktion (Hefeexpression notwendig). Systemische Toxizität bei hohen Konzentrationen (Hämolyse bei nicht-optimierten Varianten).

STUDIEN

Verlinkte Forschung

01
Original Research2010

[Plectasin - a new peptide antibiotic with high therapeutic potential]

Schmitz J, et al. · Pharm Unserer Zeit

Hinweis: Wir empfehlen, jede zitierte Studie eigenständig zu prüfen. Aktualität, Methodik und Übertragbarkeit auf den Menschen sollten kritisch bewertet werden.

WEITERE PROFILE

Verwandte Peptide

#51Research Use Only

LL-37

Cathelicidin – Antimikrobielles Peptid des Immunsystems

LL-37 ist das einzige humane Cathelicidin-Peptid. Breitspektrum-antimikrobielle Aktivität gegen Bakterien, Viren und Pilze. Immunmodulatorisch aktiv. Forschungsschwerpunkte: chronische Wunden, antivirale Therapie, Sepsis.

Antimikrobielle Peptide (AMPs) und ResistenzforschungChronische Wundheilung (venöse Ulzera)Antivirale Aktivität (Influenza
Antimikrobielle PeptideEvidenz: präklinisch
#52Research Use Only

Defensine

α- und β-Defensine – Antimikrobielle Barrierepeptide

Defensine sind eine Familie cysteinreicher antimikrobieller Peptide des angeborenen Immunsystems. Beim Menschen: α-Defensine (Neutrophile) und β-Defensine (Epithelzellen). Breites Wirkspektrum gegen Bakterien, Pilze, Viren. Forschungsbereich: Infektionskrankheiten, IBD, Dysbiose.

Antimikrobielle Barrierefunktion (Haut, Schleimhäute)Morbus Crohn / IBD (HD-5, HD-6 Defizienz)Antivirale Aktivität (HIV, Herpes, Influenza)
Antimikrobielle PeptideEvidenz: präklinisch
#53Research Use Only

Magainin

Amphibien-AMP – Strukturvorbild für synthetische Antibiotika

Magainine sind antimikrobielle Peptide aus der Haut des Afrikanischen Krallenfrosches (Xenopus laevis). Grundlagenforschung und Inspirationsquelle für synthetische AMPs. Pexiganan (Magainin-Derivat) scheiterte in Phase-III, bleibt aber Forschungsmodell.

Antimikrobielle Peptid-Forschung (AMPs)Antibiotikaresistenz-ForschungStrukturbasis für synthetische AMPs
Antimikrobielle PeptideEvidenz: präklinisch
Zurück zur Datenbank
Teilen