Hintergrund
Pankreatisches Polypeptid wurde 1972 von Kimmel et al. aus Rinderextrakt isoliert – als einer der letzten klassischen Peptid-Hormone vor der molekularbiologischen Ära. PP hat eine ungewöhnliche Struktur (PP-Falte: N-terminale Polyprolin-Helix + C-terminale α-Helix) die für alle Mitglieder der NPY/PYY/PP-Familie charakteristisch ist.
Klinisch bedeutsam: PP ist bei Prader-Willi-Syndrom (Chromosom-15-Störung mit extremer Hyperphagie) deutlich erniedrigt → PP-Supplementierung als mögliche Therapieoption.
PP-Fold-Familie im Vergleich
| Peptid | Rezeptoren | Hauptwirkung | In DB |
|---|---|---|---|
| NPY | Y1/Y2/Y5 | Hunger↑ | #82 |
| PYY1-36 | Y1/Y2 | Sättigung (moderat) | #84 |
| PYY3-36 | Y2 (selektiv) | Sättigung↑ | #170 |
| PP | Y4 > Y5 > Y1 | Sättigung, Pankreas↓ | #178 |
Y4-Rezeptor
Y4R ist der "PP-Rezeptor":
- Hohe Affinität für PP (~0,1 nM), moderate für PYY (~1 nM), geringe für NPY (~100 nM)
- Hauptexpression: Gehirn (Hirnstamm, Hypothalamus), Darm, Lunge
- Y4R-Aktivierung → Gi → cAMP↓ → Vagus-Aktivität↑ → Magenentleerung↓
Prader-Willi-Syndrom
PWS-Patienten haben:
- Genetisch bedingte Hyperphagie (Hypothalamus-Defekt)
- Erniedrigte PP-Spiegel nach Mahlzeit (PP-Sekretions-Defekt)
- PP-Infusion reduziert Hunger und Nahrungsaufnahme in PWS-Studien
- Therapeutisch interessant, aber kurze HWZ und Notwendigkeit parenteraler Gabe limitieren
Bariatrische Chirurgie: PP-Veränderungen
Nach Roux-en-Y-Magenbypass: PP-Spiegel verändern sich (vagale Re-Innervation im Restmagen anders). Komplex, kontext-abhängig. GLP-1 und PYY sind bei Bariatrie stärker verändert als PP.
Einschränkungen
Kurze HWZ. Kein zugelassenes PP-Therapeutikum. Für Adipositas-Therapie von GLP-1-RA überholt. Interessant für PWS-Forschung. Y4R-spezifische Agonisten (stabilere Analoga) in früher Forschungsphase.

