Hintergrund
Adrenomedullin (ADM) wurde 1993 als vasoaktives Peptid aus Phäochromozytomgewebe entdeckt. Die Realisierung, dass sein Vorläufer-Protein (Proadrenomedullin) ein weiteres biologisch aktives Peptid – PAMP – enthält, ergab sich kurz danach.
Das Konzept: Ein einziges Gen → ein Proprotein → zwei biologisch aktive Peptide (ADM und PAMP) mit teilweise überlappenden, teilweise komplementären kardiovaskulären Wirkungen.
PAMP vs. Adrenomedullin: Unterschiede
| Parameter | Adrenomedullin (ADM) | PAMP |
|---|---|---|
| Größe | 52 AA | 20 AA |
| Rezeptor | CGRP-R1/CLR+RAMP2 | Unbekannt (präsynaptisch) |
| Vasodilation | Endothel → NO → Relaxation | Präsynaptisch: Noradrenalin↓ |
| cAMP | ↑ (Gs) | Nicht hauptsächlich |
| ADM-Biomarker | MR-proADM (klinisch) | Wird mit gemessen |
MR-proADM als klinischer Biomarker
Da ADM selbst eine sehr kurze Halbwertszeit hat, wird MR-proADM (das stabile Mittelstück des Proadrenomedullins) als Surrogatmarker gemessen:
- Sepsis: MR-proADM > 1,5 nmol/L → erhöhte Mortalität
- Herzinsuffizienz: MR-proADM korreliert mit funktioneller Klasse
- Pneumonie: MR-proADM für Hospitalisierungsentscheid
PAMP-Messung klinisch nicht etabliert, wird aber im ADM-Proprotein mitprozessiert.
PAMP und Renin-Angiotensin-Aldosteron-System
PAMP hemmt Angiotensin-II-stimulierte Aldosteron-Sekretion in der Nebennierenrinde → Antagonismus zum RAAS. Dies ergänzt ADMs vasodilatatorsiche Wirkung durch eine aldosteron-senkende Komponente → zweifache kardioprotektive Wirkung.
Einschränkungen
PAMP selbst therapeutisch wenig entwickelt. Klinisch relevant ist MR-proADM als Biomarker (nicht als Therapeutikum). Rezeptor für PAMP noch nicht eindeutig identifiziert. Adrenomedullin-Infusionen in Herzinsuffizienz-Studien zeigen Effekte, unklar ob PAMP-Ko-Sekretion einen Beitrag leistet.

