Hintergrund
Kachexie (Krebs-assoziiertes Wasting) ist eine lebensbedrohliche Komplikation bei ~50–80% aller Krebspatienten im Endstadium. Symptome: Gewichtsverlust, Muskelschwund, Anorexie, Fatigue. Kachexie verkürzt die Überlebenszeit und verschlechtert die Lebensqualität dramatisch.
Anamorelin war lange das am meisten erwartete Kachexie-Therapeutikum. Die ROMANA-Studien zeigten in 2016 signifikante Verbesserungen der Körperzusammensetzung (LBM) und des Körpergewichts, aber das primäre Handstärken-Endpunkt wurde nicht signifikant erreicht → EMA lehnte den Zulassungsantrag 2017 ab. Japan hingegen zugelassen (2021).
Wirkmechanismus
- GHS-R1a (Ghrelin-Rezeptor): Anamorelin bindet Ghrelin-Rezeptor auf Somatotropen → GH-Puls → IGF-1↑ → anabole Signalkaskade (Muskelmasse↑)
- Hypothalamischer Hunger-Trigger: GHS-R1a im Nucleus arcuatus → NPY/AgRP-Neurone → Hunger↑, Appetit-Stimulation
- Direkte Muskeltrophie: GHS-R1a in Muskeln → mTOR-Aktivierung → Proteinsynthese↑
ROMANA-Studien: Ergebnisse
ROMANA 1+2 (Phase III, n=979 NSCLC-Patienten mit CACS):
- Lean body mass (LBM): Signifikant erhöht vs. Placebo (+1.1 kg)
- Körpergewicht: Signifikant erhöht vs. Placebo
- Handgrip strength (primärer Endpunkt): Numerisch verbessert, aber nicht statistisch signifikant
- → EMA-Ablehnung basierte auf fehlendem Handkraft-Endpunkt. Japan-Zulassung basierte auf LBM + Symptom-Verbesserung
Oraler GHS-Agonist: Innovation
Alle anderen GHSR-Agonisten in der Datenbank (GHRP-2, GHRP-6, Hexarelin, Ipamorelin) sind Peptide → subkutan/intranasal. Anamorelin ist oral verfügbar → revolutionär für die Kachexie-Therapie, da Patienten häufig schwierige Injektionsrouten tolerieren.
Einschränkungen
Kein EMA/FDA-Zulassung. Nur Japan. Handkraft-Endpunkt verfehlt → regulatorische Hürde. Potenzielle Nebenwirkungen: Hyperglykämie, Ödeme. Nicht für gesunde Menschen bestimmt.

