Hintergrund
GHRH (Growth Hormone Releasing Hormone) ist ein hypothalamisches 44-Aminosäuren-Peptid, das die Hypophyse zur Freisetzung von Wachstumshormon (GH) anregt. Das körpereigene GHRH hat aufgrund von DPP-IV-Spaltung (am Ala2-Asn3-Übergang) eine sehr kurze Halbwertszeit von nur etwa 6–7 Minuten im Plasma.
CJC-1295 wurde entwickelt, um durch gezielte Aminosäure-Substitutionen an den DPP-IV-Schnittstellen und – in der DAC-Variante – durch eine Maleimid-Gruppe für kovalente Albuminbindung deutlich länger im Körper aktiv zu bleiben.
Zwei Varianten mit grundlegend unterschiedlichem Profil
CJC-1295 ohne DAC (auch „Mod GRF 1-29” oder „Modified GRF(1-29)”):
- Halbwertszeit ca. 30 Minuten
- Verstärkt einzelne physiologische GH-Pulse
- Behält das pulsatile GH-Freisetzungsmuster bei
- Wird in der Forschung typischerweise mit Ipamorelin kombiniert
- Gilt als physiologischer hinsichtlich des GH-Sekretionsprofils
CJC-1295 mit DAC (Drug Affinity Complex):
- Halbwertszeit 6–8 Tage durch kovalente Bindung an Serumalbumin
- Erhöht GH- und IGF-1-Basalspiegel kontinuierlich
- Überschreibt das natürliche pulsatile Sekretionsmuster
- Physiologische Relevanz dieser Daueraktivierung ist wissenschaftlich umstritten
Studienlage
Zwei frühe Humanstudien aus dem Jahr 2006 (Teichman et al., Ionescu et al.) zeigen messbare Anstiege von GH und IGF-1 unter CJC-1295 mit DAC bei gesunden Erwachsenen. Diese Studien stammen aus der ursprünglichen klinischen Entwicklungsphase – das Präparat wurde danach nicht zur Marktreife gebracht. Unabhängige Replikationen sind limitiert.
Was offen bleibt
- Langzeitsicherheit bei kontinuierlicher Anwendung
- Effekte auf Insulinresistenz und Glukosestoffwechsel bei dauerhafter GH/IGF-1-Erhöhung
- Reale klinische Endpunkte (Körperzusammensetzung, Funktion) bei gesunden Erwachsenen
- Auswirkungen auf die körpereigene Somatotropin-Achse bei Dauertherapie
Wichtige Hinweise
- Nicht für die Anwendung am Menschen zugelassen: Weder die DAC- noch die Non-DAC-Variante
- WADA-Verbotsliste: CJC-1295 ist als GHRH-Analogon verboten (Klasse S2)
- IGF-1-Erhöhung: Dauerhaft erhöhte IGF-1-Spiegel sind möglicherweise mit erhöhtem Krebsrisiko assoziiert (epidemiologische Daten)
- Reinheitsrisiken: Research-Peptid-Produkte ohne Qualitätskontrolle
- Verwechslungsgefahr: „CJC-1295” wird auf dem Markt uneinheitlich verwendet; manche Produkte enthalten Mod GRF 1-29, andere die DAC-Variante
Rechtlicher Status (Deutschland)
CJC-1295 ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen. Vertrieb und Anwendung am Menschen sind nicht erlaubt. Es steht auf der WADA-Verbotsliste.
Einordnung
CJC-1295 ist ein etabliertes Forschungspeptid mit nachweisbaren Effekten auf GH/IGF-1 in frühen Humanstudien. Die Datenlage ist besser als bei vielen anderen Research Peptides, aber es fehlen Langzeit-Sicherheitsdaten und klinische Endpunktstudien. Die Kombination CJC-1295 ohne DAC + Ipamorelin gehört zu den am häufigsten beschriebenen GH-Stimulationsprotokollen in der Biohacker-Literatur – wissenschaftlich plausibel im Mechanismus, klinisch nicht ausreichend belegt.

