Hintergrund
Die Idee eines Sättigungssignals, das spezifisch Fettaufnahme hemmt, ist aus ernährungsphysiologischer Sicht elegant: Bei einem Hochfett-Mahlzeit produziert die Bauchspeicheldrüse mehr Colipase → mehr Enterostatin → Rückkopplung auf die Fettaufnahme. Ein geschlossener Regelkreis.
Erlanson-Albertsson (Universität Lund) hat Enterostatin intensiv erforscht und das Konzept der Fett-selektiven Sättigung entwickelt.
Colipase und Enterostatin: Ko-Produkt
Dietary Fat → Pankreas → Procolipase sekretiert
→ Duodenum: Trypsin aktiviert Procolipase
→ Spaltung am N-Terminus
→ Produkte:
1. Reife Colipase (94 AA) → Pankreaslipase-Kofaktor → Fettverdauung
2. Enterostatin (VPDPR, 5 AA) → Sättigungssignal zurück ins Gehirn
Je mehr Fett = desto mehr Procolipase = desto mehr Enterostatin → negative Rückkopplung.
Fett-Selektivität: Mechanismus
Enterostatin hemmt Fettaufnahme spezifisch:
- i.c.v. VPDPR → Ratten wählen fettarme Nahrung über fettreiche Nahrung
- Kein Effekt auf Kohlenhydrat- oder Protein-Präferenz
- Dieses Profil unterscheidet Enterostatin von allen anderen Sättigungspeptiden (CCK, PYY, GLP-1 hemmen generell)
Mechanismus der Selektivität: F1-ATPase auf Leberzellen als möglicher Rezeptor? Unklar. Vagale Übertragung?
Hochfett-Diät und Enterostatin-Resistenz
Bei chronischer Hochfett-Ernährung: Enterostatin-Signaling desensibilisiert (ähnlich Leptin-Resistenz). Adipöse Tiere sprechen schlechter auf Enterostatin an. Möglicher Mechanismus für Fett-Präferenzentwicklung bei Adipositas.
Einschränkungen
Nur Tiermodelle (Ratten, Mäuse). Beim Menschen kaum Daten. Rezeptor unidentifiziert. Mechanismus der Fett-Selektivität unklar. Keine klinische Entwicklung. Das Konzept ist elegant, aber die Forschung ist in der 2010er Jahren fast zum Erliegen gekommen.

