Hintergrund
Die Entdeckung der Opioid-Rezeptoren in den frühen 1970ern stellte sofort die Frage: Wenn der Körper Rezeptoren für Morphin hat – was ist der endogene Ligand? 1975 wurden die Enkephaline entdeckt, kurz darauf β-Endorphin und Dynorphine. Diese Entdeckungen öffneten ein neues Kapitel der Neurobiologie.
Die drei Familien im Überblick
β-Endorphin (31 AS)
- Stärkste analgetische Wirkung
- Aus Hypophyse und Hypothalamus
- Verantwortlich für Runner's High und Post-Workout-Euphorie
Enkephaline (5 AS: Tyr-Gly-Gly-Phe-Met/Leu)
- Weitverbreitet im ZNS und peripheren Nervensystem
- Kurzreichweitig wirkende Neurotransmitter
- Modulieren Schmerzweiterleitung im Rückenmark
Dynorphine (17 AS)
- Bevorzugt κ-Rezeptor
- Dysphorie statt Euphorie bei hohen Konzentrationen
- Rolle bei Stressreaktion und Drogenabhängigkeit
Runner's High: Endorphine oder Endocannabinoide?
Das Runner's High wurde lange ausschließlich β-Endorphin zugeschrieben. Neuere Forschung differenziert:
- Boecker et al. (2008, Cerebral Cortex): PET-Studie beim Menschen zeigte nach Ausdauerlauf eine opioiderg vermittelte Euphorie – direkte Evidenz für β-Endorphin-Beteiligung
- Endocannabinoide (Anandamid): Neuere Tierstudien und Humanstudien belegen, dass Anandamid (AEA) ebenso zum Runner's High beiträgt – und die Blut-Hirn-Schranke besser überwindet als β-Endorphin
- Aktuelle Forschung: Beide Systeme wirken zusammen, wobei der relative Beitrag trainingsintensitätsabhängig ist
Rechtlicher Status (Deutschland)
Endogene Peptide – kein Medikament. Synthetische Opioid-Peptid-Analoga unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz.
Einordnung
Das endogene Opioidsystem ist eines der faszinierendsten Neuropeptidsysteme. Es erklärt Schmerzmodulation, Sport-Euphorie und Suchtentwicklung. Direkte Supplementierung nicht möglich – Stimulation über physiologische Wege.

