Bodycode_Research
Antimikrobielle PeptideIn DE zugelassenProfil #231
#231

Daptomycin

Cubicin® – Zyklisches Lipopeptid gegen MRSA und VRE

Was es ist

Daptomycin (LY146032, Cubicin®) ist ein zyklisches 13-Aminosäuren-Lipopeptid aus Streptomyces roseosporus mit einer Decanoylsäure-Fettsäurekette am N-Terminus.

FDA-zugelassen 2003 für komplizierte Haut/Weichteilinfektionen und 2006 für Bakteriämie/endokarditis durch S. aureus (inkl. MRSA). Daptomycin hat einen einzigartigen Wirkungsmechanismus: In Gegenwart von Ca²⁺ insertiert die Fettsäurekette in die Gram-positive Bakterienmembran → Oligomerisierung → Kaliumkanal-ähnliche Poren → K⁺-Ausstrom → Membrandepolarisation → ATP-Synthase-Stopp → Zelltod innerhalb von Minuten. Bakterizid gegen Gram-positive: S. aureus (inkl. MRSA, VISA, VRSA), Enterococcus (inkl. VRE), Streptococcen, Corynebacterium.

Wofür es erforscht wird

  • MRSA (Methicillin-resistenter S. aureus)
  • VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken)
  • Bakteriämie/Endokarditis
  • Komplizierte Haut/Weichteil-Infektionen
  • Biofilm-Infektionen
  • Lipopeptid-Antibiotika-Entwicklung

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

8-9 Stunden. 1× täglich i.v. Dosierung. Renal eliminiert.

Anwendung in der Forschung

Cubicin® i.v.: 4-6 mg/kg/Tag für Haut/Weichteil; 6-12 mg/kg/Tag für Bakteriämie/Endokarditis. Kein orales Daptomycin (nicht resorbiert). CK-Monitoring wöchentlich (Myopathie-Risiko).

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

Premium freischalten – 99 € einmalig

Verschreibungspflichtiges Medikament

Diese Substanz ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen und ausschließlich auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Die Inhalte dieser Seite dienen nur der Information über Forschungsstand und Wirkmechanismus – sie ersetzen keine ärztliche Beratung und stellen keine Anwendungsempfehlung dar.

Hintergrund

Daptomycin wurde 1987 von Eli Lilly entdeckt, dann bis 1991 wegen Myopathie-Problemen verlassen, und schließlich 2003 von Cubist Pharmaceuticals (jetzt Merck) mit optimiertem Dosierungsregime zugelassen. Die Entscheidung, von einer dreimal täglichen zu einer einmal täglichen Dosierung zu wechseln, löste die Myopathie-Probleme fast vollständig.

Der Ca²⁺-abhängige Mechanismus: Einzigartig

Daptomycin + Ca²⁺ → Konformationsänderung
→ Fettsäure-Kette wird exponiert
→ Insertiert in Gram-positive Membran
→ Oligomerisierung zu Kanal/Pore
→ K⁺ strömt aus → Membrandepolarisation
→ DNA-, RNA-, Proteinsynthese stoppen
→ Rasche Bakteriolyse (innerhalb 15-30 min)

Gram-negative Bakterien sind intrinsisch resistent (äußere LPS-Membran verhindert Insertion).

Warum nicht für Pneumonie?

Daptomycin ist für S. aureus-Pneumonie NICHT zugelassen, obwohl S. aureus sensitiv ist. Grund: Surfactant in der Lunge (Dipalmitoyl-Phosphatidylcholin) inaktiviert Daptomycin. Das Pulmonalsurfactant bindet die Fettsäurekette → Daptomycin inaktiv → keine Wirkung.

Daptomycin-Resistenz

Resistenzmechanismen:

  • mprF-Mutation: Lysylphosphatidylglycerol ↑ → positive Ladung der Membran↑ → Daptomycin-Bindung↓ (Ladungsabstoßung)
  • Membranfluiditäts-Veränderungen: veränderte Fettsäurezusammensetzung
  • Kreuzresistenz mit Cationic Antimicrobial Peptides (CAMPs) möglich

Myopathie-Monitoring

Myopathie (Skelettmuskel-Toxizität) bei bis zu 3% bei Standard-Dosierung. CK-Monitoring:

  • Wöchentliche CK-Kontrollen
  • CK > 10× ULN → Daptomycin stoppen
  • Statine sollten während Daptomycin-Therapie pausiert werden (synergistische Myotoxizität)

Einschränkungen

Kein Gram-negative. Kein Einsatz bei Pneumonie. Myopathie-Monitoring nötig. Resistenz bei S. aureus möglich (besonders bei prolongierter Therapie, z.B. Endokarditis). Hochpreisiges Antibiotikum.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

WEITERE PROFILE

Verwandte Peptide

#51Research Use Only

LL-37

Cathelicidin – Antimikrobielles Peptid des Immunsystems

LL-37 ist das einzige humane Cathelicidin-Peptid. Breitspektrum-antimikrobielle Aktivität gegen Bakterien, Viren und Pilze. Immunmodulatorisch aktiv. Forschungsschwerpunkte: chronische Wunden, antivirale Therapie, Sepsis.

Antimikrobielle Peptide (AMPs) und ResistenzforschungChronische Wundheilung (venöse Ulzera)Antivirale Aktivität (Influenza
Antimikrobielle PeptideEvidenz: präklinisch
#52Research Use Only

Defensine

α- und β-Defensine – Antimikrobielle Barrierepeptide

Defensine sind eine Familie cysteinreicher antimikrobieller Peptide des angeborenen Immunsystems. Beim Menschen: α-Defensine (Neutrophile) und β-Defensine (Epithelzellen). Breites Wirkspektrum gegen Bakterien, Pilze, Viren. Forschungsbereich: Infektionskrankheiten, IBD, Dysbiose.

Antimikrobielle Barrierefunktion (Haut, Schleimhäute)Morbus Crohn / IBD (HD-5, HD-6 Defizienz)Antivirale Aktivität (HIV, Herpes, Influenza)
Antimikrobielle PeptideEvidenz: präklinisch
#53Research Use Only

Magainin

Amphibien-AMP – Strukturvorbild für synthetische Antibiotika

Magainine sind antimikrobielle Peptide aus der Haut des Afrikanischen Krallenfrosches (Xenopus laevis). Grundlagenforschung und Inspirationsquelle für synthetische AMPs. Pexiganan (Magainin-Derivat) scheiterte in Phase-III, bleibt aber Forschungsmodell.

Antimikrobielle Peptid-Forschung (AMPs)Antibiotikaresistenz-ForschungStrukturbasis für synthetische AMPs
Antimikrobielle PeptideEvidenz: präklinisch
Zurück zur Datenbank
Teilen