Hintergrund
Cortistatin wurde im Kortex (Cortex → Cortistatin) entdeckt als ein Neuropeptid, das im Kortex exprimiert wird und Schlafregulation beeinflusst. Der Name deutet auf kortikalen Ursprung + hemmende Wirkung hin.
Obwohl es Somatostatin sehr ähnelt, hat CST ein eigenes Expressionsprofil (Kortex > Hypothalamus, anders als SST) und eigenständige Aktivitäten, die über das SST-Rezeptor-Profil hinausgehen.
CST und Schlaf: Langsame-Wellen-Induktion
CST → Hemmung schneller kortikaler Aktivierungsmuster (Theta, Beta, Gamma) → Förderung langsamer Wellen (Delta, Slow-Wave-Schlaf):
- i.c.v. CST: SWS-Anteil im EEG steigt
- CST-KO-Mäuse: verändertes Schlaf-EEG-Profil
- Mechanismus: Kortikostat. Interneuronen-Hemmung → Entrainment kortikal-thalamischer Netzwerke
CST-Anti-Entzündungsachse
CST wird bei Entzündung von Immunzellen (Makrophagen, Lymphozyten, synovialen Fibroblasten) exprimiert und hochreguliert:
- CST → SST2R/SST5R auf Immunzellen → Gi → NF-κB↓ → Zytokin-Produktion↓
- In Colitis-Tiermodellen: CST-Behandlung → histologische Verbesserung
- In Arthritis-Modellen: ähnliche protektive Effekte
CST könnte ein endogener Entzündungsdämpfer sein, ähnlich IL-10.
GHSR-Interaktion: Unerwartete Verbindung
CST bindet den Ghrelin-Rezeptor (GHSR1a) – Somatostatin tut dies nicht. Dies erklärt einige metabolische Wirkungen von CST, die über SST-Rezeptoren nicht erklärbar sind. CST könnte als endogener Ghrelin-Antagonist (oder partieller Agonist) wirken.
Einschränkungen
Keine klinischen Therapeutika. SST-Analoga (Octreotid, Lanreotid) sind klinisch verfügbar und binden ebenfalls SST2/5R, aber ohne CST-spezifische Schlaf/MrgX2-Aktivität. CST-spezifische Selektivität für Therapeutika schwierig herzustellen.

