Hintergrund
Caspofungin war das erste Echinocandin in klinischer Anwendung (2001). Die Entwicklung kam nach einer Ära, in der invasive Pilzinfektionen trotz Azol- und Amphotericin-B-Therapie hohe Mortalitäten hatten. Der neue Wirkmechanismus (Zellwandsynthese-Hemmung) bot eine orthogonale Alternative.
Die Echinocandin-Klasse ist heute Standard in der Behandlung von Candidämie bei kritisch kranken Patienten.
Wirkmechanismus: Pilzspezifischer Zellwand-Angriff
Caspofungin
→ FKS1/FKS2-Komplex (β-1,3-D-Glucan-Synthase)
→ Nicht-kompetitive Hemmung
→ β-1,3-D-Glucan-Synthese↓
→ Pilzzellwand-Strukturverlust
→ Osmotischer Stress → Lyse (fungizid bei Aspergillus)
→ Wachstumsstop (fungistatisch bei Candida)
Kein humanes Äquivalent der Glucan-Synthase → minimale Toxizität für Mensch.
Echinocandin-Klasse: Drei Vertreter
| Caspofungin | Micafungin | Anidulafungin | |
|---|---|---|---|
| Handelsname | Cancidas® | Mycamine® | Eraxis® |
| Zulassung | 2001 | 2005 | 2006 |
| HWZ | 9-11h | 14-17h | 24-27h |
| Besonderheit | Leberabbau | minimal interaction | keine Leberdosisanpassung |
Alle drei haben äquivalente Wirksamkeit; Unterschiede in Pharmakokinetik und Interaktionen.
Echinocandin-Resistenz: FKS-Mutationen
FKS1-Hotspot-Mutationen (z.B. S645P in Candida albicans):
- Reduktion der Glucan-Synthase-Inhibition durch Echinocandine
- Erhöhte MHK → klinische Resistenz
- Bei C. glabrata häufiger als C. albicans
- Kreuzresistenz innerhalb der Echinocandin-Klasse
Limitationen der Echinocandine
- Nur i.v. (keine oral bioverfügbare Form)
- Candida guilliermondi und Cryptococcus intrinsisch resistent
- Aspergillus terrus: variable Sensitivität
- Kein Einsatz bei Meningitis/ZNS-Infektionen (schlechte ZNS-Penetration)
- Teuer (Krankenhaus-only)
Einschränkungen
Echinocandine sind exzellent für invasive Candida- und Aspergillus-Infektionen, aber nicht für alle Pilze (Kryptokokkose: Polyene oder Fluconazol). Nur i.v. Formulierung limitiert auf stationären Bereich. Resistenzmechanismus (FKS-Mutation) zunehmend beobachtet.

