Hintergrund
ACTH ist das zentrale Hormon der HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) – dem wichtigsten Stressreaktionssystem des Körpers. Es wird aus dem Vorläufermolekül POMC geschnitten, aus dem auch α-MSH (melanozytenstimulierendes Hormon) und β-Endorphin entstehen.
Klinische Anwendungen
Therapeutisch:
- West-Syndrom (infantile Spasmen): ACTH ist Erstlinientherapie
- MS-Schübe: historisch und heute noch gelegentlich eingesetzt
Diagnostisch:
- Synacthen-Test (Tetracosactid): zur Beurteilung der Nebennierenrindenfunktion bei Verdacht auf Nebenniereninsuffizienz
Das POMC-System
ACTH entsteht aus POMC, demselben Vorläuferprotein wie:
- α-MSH (Pigmentierung, Appetit)
- β-Endorphin (Schmerzmodulation)
- γ-MSH
Diese evolutionäre Verbindung erklärt, warum Stress, Schmerzempfindung und Pigmentierung biochemisch verknüpft sind.
Rechtlicher Status (Deutschland)
Verschreibungspflichtiges Arzneimittel (Tetracosactid/Synacthen).
Einordnung
ACTH ist das Schlüsselhormon der Stressachse – essentielles Grundlagenwissen für das Verständnis von Cortisol, Nebennierenfunktion und Stress-Physiologie.

