Hintergrund
Davunetid entstand aus einer Entdeckung über das Protein VIP (Vasoaktives Intestinales Peptid) und seine neuroprotektiven Effekte. Gozes fand, dass VIP ein Protein (ADNP) induziert, das ihrerseits ein kurzes Peptid (NAP) enthält, welches extrem starke neuroprotektive Eigenschaften besitzt.
NAP/Davunetid schützt Neurone vor β-Amyloid-, Tau- und oxidativer Schädigung bei picomolaren Konzentrationen – einer der potentesten bekannten neuroprotektiven Effekte in Zellkulturen. Diese Potenz machte Davunetid zu einem hochinteressanten Kandidaten für Alzheimer und tauopathische Erkrankungen.
Wirkmechanismus
- Tubulin-Interaktion: NAP bindet an tubulin und stabilisiert Mikrotubuli → Schutz des axonalen Transports
- Tau-Hyperphosphorylierung↓: Reduktion pathologischer Tau-Phosphorylierung (Ser396, Ser202)
- Oxidativer Schutz: Steigerung antioxidativer Mechanismen in Neuronen
- ADNP-ähnliche Funktion: Interaktion mit SWI/SNF-Komplex, Chromatinregulation
- Synaptischer Schutz: Erhalt der synaptischen Integrität unter toxischen Bedingungen
Klinische Studien
Phase II bei Schizophrenie (AL-108-011): Intranasal Davunetid verbesserte kognitive Tests bei Schizophreniepatienten auf antipsychotischer Basistherapie signifikant (2010).
Phase II/III bei PSP (Progressive Supranukleäre Lähmung): Leider neutrales Ergebnis – keine Verlangsamung der Progression bei dieser schweren Tauopathie (2014, Lancet Neurology). Dies dämpfte den Enthusiasmus.
Einschränkungen
Negativstudie bei PSP trotz starker präklinischer Daten. Möglicherweise zu fortgeschrittene Erkrankung bei Studienbeginn, oder PSP-Tau-Pathologie spricht nicht auf NAP an. Frühzeitigere Intervention bei leichteren Tauopathien könnte weiterhin sinnvoll sein.

