Hintergrund
Annexin A1 (ANXA1) ist ein endogenes Protein, das 1979 zunächst als „lipocortin” identifiziert wurde – als Vermittler der entzündungshemmenden Wirkung von Glukokortikoiden. Glukokortikoide induzieren die Sekretion von Annexin A1 aus Phagozyten, das dann durch Bindung an FPR2/ALX-Rezeptoren benachbarter Zellen die Neutrophileninfiltration hemmt und Entzündungsprozesse auflöst.
Das N-terminale Peptid Ac2-26 (Aminosäuren 2–26) enthält die biologisch aktive Region des Proteins und reicht aus, um die wesentlichen anti-inflammatorischen Effekte zu reproduzieren. Es ist damit ein Mimetikum eines endogenen Entzündungsauflösungs-Signals.
Wirkmechanismus
Ac2-26 wirkt über die FPR-Rezeptorfamilie (Formyl-Peptid-Rezeptoren):
- FPR1: Bindung mit moderater Affinität → klassische Entzündungsreaktion
- FPR2/ALX (FPRL1): Hochaffinität-Bindung → anti-inflammatorische, pro-resolving Wirkung
- Neutrophilenhemmung: Reduktion der Transmigration durch Endothel, verminderte Degranulation
- Efferozytose-Förderung: Verbesserter apoptotischer Zellabbau durch Makrophagen
- NF-κB-Hemmung: Reduktion von IL-6, TNF-α, IL-1β
Das Besondere an Ac2-26 ist seine Rolle als Pro-Resolving Mediator – es beendet Entzündungen aktiv, anstatt sie nur zu supprimieren.
Forschungsstand
Die führende Forschungsgruppe um Mauro Perretti am William Harvey Research Institute (London) hat Ac2-26 und seine Nanopartikel-Formulierungen intensiv untersucht. Besonders vielversprechend sind PLGA-Nanopartikel-Verkapselungen von Ac2-26, die in Mausmodellen von Sepsis und Ischämie-Reperfusion deutlich verbesserte Wirksamkeit zeigten – vermutlich durch gezielte Akkumulation in Entzündungsherden.
Da Ac2-26 ein körpereigenes Peptidmotiv imitiert, wird das Sicherheitsprofil als günstig eingeschätzt. Klinische Studien am Menschen fehlen jedoch bislang.

