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Therapeutische PeptideIn DE zugelassenProfil #79
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Ziconotid

Conotoxin – intrathecaler N-Typ-Kalziumkanal-Blocker

Was es ist

Ziconotid (Prialt®) ist ein synthetisches 25-Aminosäuren-Peptid, das identisch mit Omega-Conotoxin MVIIA aus dem Gift der Kegelschnecke Conus magus ist.

Conotoxine sind hochpotente neurotoxische Peptide, die Kegelschnecken zur Lähmung von Fisch- und Mollusken-Beute einsetzen. Ziconotid blockiert mit extrem hoher Selektivität spannungsabhängige N-Typ-Kalziumkanäle (Cav2.2) in präsynaptischen Dorsal-Horn-Neuronen und verhindert so die Freisetzung von Schmerzneurotransmittern. FDA-Zulassung 2004 für schwere chronische Schmerzen als intrathecale Infusion.

Wofür es erforscht wird

  • Schwere chronische Schmerzen (nozizeptiv, neuropathisch)
  • HIV/AIDS-assoziierte Schmerzen
  • Krebsschmerzen (refraktär)
  • Failed Back Surgery Syndrome
  • Schmerzen bei multiplem Sklerose
  • Neuropathischer Schmerz (Rückenmark)

Stand der Forschung

Evidenzlevel: zugelassen.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Intrathecal: ca. 4,6 Stunden im Liquor. Systemic exposure minimal (erwünscht). Kein hepatischer Metabolismus, renale Elimination.

Anwendung in der Forschung

Ausschließlich intrathecal via implantierte Pumpe. Startdosis: max. 2,4 µg/Tag. Titration langsam über Wochen. Maximaldosis: 19,2 µg/Tag. Kein oraler oder intravenöser Einsatz (keine systemische ZNS-Toleranz).

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Verschreibungspflichtiges Medikament

Diese Substanz ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen und ausschließlich auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Die Inhalte dieser Seite dienen nur der Information über Forschungsstand und Wirkmechanismus – sie ersetzen keine ärztliche Beratung und stellen keine Anwendungsempfehlung dar.

Hintergrund

Die Entdeckung von Ziconotid ist eng mit Baldomero „Toto” Olivera (University of Utah) verbunden, der systematisch die Neurotoxine von über 500 Kegelschneckenarten katalogisierte. Conus magus, eine pazifische Meereskegelschnecke, produziert Omega-Conotoxin MVIIA als Teil seines Jagdgifts. Die exquisite Selektivität für N-Typ-Kalziumkanäle machte es zu einem idealen Kandidaten für die Schmerztherapie.

Ziconotid ist das erste und bislang einzige intrathecale nicht-opioidhaltige Analgetikum, das FDA-zugelassen ist. Es ermöglicht starke Analgesie ohne Opioid-Toleranzentwicklung oder Suchtpotenzial.

Wirkmechanismus

  • N-Typ-Ca²⁺-Kanal-Blockade (Cav2.2): Hochselektive Bindung an die α1B-Untereinheit
  • Präsynaptische Hemmung: Keine Kalzium-Influx → keine Neurotransmitter-Exozytose (Substanz P, CGRP, Glutamat) aus C-Fasern und Aδ-Fasern im Dorsal Horn
  • Keine Opioidrezeptoren: Vollständig opioidunabhängig → keine Kreuztoleranz
  • Selektivität: Keine Blockade von L-Typ (kardial) oder P/Q-Typ-Kanälen in therapeutischen Konzentrationen

Forschungsstand

Die JAMA-Zulassungsstudie (Staats et al. 2004) zeigte bei Krebspatienten und AIDS-Patienten mit refraktären Schmerzen signifikant bessere Analgesie vs. Placebo. Die Einschränkung: Das therapeutische Fenster ist schmal. ZNS-Nebenwirkungen (Schwindel, Nystagmus, kognitive Beeinträchtigung, psychiatrische Symptome) treten bei zu schneller Titration auf und limitieren die Dosierung.

Ziconotid wird heute vorwiegend bei Patienten eingesetzt, die auf alle anderen Schmerztherapien versagt haben (z.B. opioidrefraktäre Schmerzen), als intrathecale Option mit implantierter Pumpe.

Bedeutung für die Forschung

Ziconotid hat das Konzept der Toxin-derived Therapeutics etabliert: Peptide aus Tierengifte mit exquisiter Rezeptorselektivität als Basis für Medikamente. Conotoxine inspirieren heute ganze Forschungsfelder für Ionenkanalanästhesie und Neuromodulation.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

01
Phase III RCT2006

A randomized, double-blind, placebo-controlled study of intrathecal ziconotide in adults with severe chronic pain

Rauck RL, et al. · J Pain Symptom Manage

Hinweis: Wir empfehlen, jede zitierte Studie eigenständig zu prüfen. Aktualität, Methodik und Übertragbarkeit auf den Menschen sollten kritisch bewertet werden.

WEITERE PROFILE

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