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Therapeutische PeptideIn DE zugelassenProfil #135
#135

Terlipressin

Glypressin® – Vasopressin-Analogon bei Leberversagen

Was es ist

Terlipressin (Triglycyl-Lysin-Vasopressin, N-[N-(N-glycylglycyl)glycyl]-8-lysinevasopressin, Glypressin®) ist ein synthetisches Vasopressin-Analogon, das als Prodrug fungiert: Terlipressin wird durch Plasmaaminopeptidasen langsam zu Lysin-Vasopressin (Ornipressin-Analogon) umgewandelt, was eine verlängerte und gleichmäßigere Vasopressin-Wirkung ermöglicht.

Terlipressin bindet selektiv an Vasopressin-V1a-Rezeptoren in Splanchnikusgefäßen → Vasokonstriktion → reduzierter Pfortaderdruck. Es ist in Europa, Asien und Australien für Ösophagusvarizenblutung zugelassen. In den USA wurde es 2022 (20 Jahre nach Antrag) für das hepatorenale Syndrom Typ 1 zugelassen.

Wofür es erforscht wird

  • Ösophagusvarizenblutung bei Leberzirrhose
  • Hepatorenales Syndrom Typ 1 (HRS-1/AKI-HRS)
  • Septischer Schock (Vasopressin-Alternative)
  • Portale Hypertension
  • Post-operative Hypotonie

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Terlipressin-Prodrug: ~6 Stunden Wirkdauer. Lysin-Vasopressin: sehr kurz (<10 Min).

Anwendung in der Forschung

Ösophagusvarizenblutung: 1–2 mg i.v. alle 4–6 Stunden für 24–48 Stunden. HRS-1: 0,85 mg/6h als i.v. Dauerinfusion, titrieren bis 1,0–1,7 mg. EMA-zugelassen (1990er), FDA-Zulassung 2022 für HRS-AKI.

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Verschreibungspflichtiges Medikament

Diese Substanz ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen und ausschließlich auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Die Inhalte dieser Seite dienen nur der Information über Forschungsstand und Wirkmechanismus – sie ersetzen keine ärztliche Beratung und stellen keine Anwendungsempfehlung dar.

Hintergrund

Terlipressin ist ein klinisch wichtiges Vasoaktiv-Peptid für die Hepatologie und Gastroenterologie. Die Leberzirrhose führt zu portaler Hypertension und gefährlichen Ösophagusvarizen. Bei akuter Varizenblutung (Mortalität unbehandelt ~20–30%) ist sofortige pharmakologische Senkung des portalen Drucks entscheidend.

Das hepatorenale Syndrom (HRS) ist eine schwere Komplikation der dekompensierten Zirrhose: Renale Vasokonstriktion bei extremer Splanchnikus-Vasodilatation → funktionelles Nierenversagen ohne strukturelle Nierenschäden. Terlipressin kontrahiert Splanchnikusgefäße → normalisiert renalen Blutfluss.

Wirkmechanismus

  • V1a-Rezeptor (Splanchnikusgefäße): Terlipressin → Lysin-Vasopressin → V1a → Gefäßkontraktion → reduzierter Pfortaderdruck
  • Portale Drucksenkung: Hepatischer venöser Druckgradient (HVPG)↓ → weniger Varizenblutung-Risiko
  • Splanchnische Vasokonstriktion: Umkehrung der pathologischen Splanchnikus-Vasodilatation bei Zirrhose → renaler Blutfluss↑
  • Prodrug-Kinetik: Triglycyl-Seitenkette wird langsam abgespalten → gleichmäßige, prolongierte Vasopressin-Freisetzung (sicherer als direktes Vasopressin)

CONFIRM-Trial (NEJM 2021, FDA-Zulassung)

n=300 Patienten mit HRS-AKI:

  • Terlipressin + Albumin vs. Placebo + Albumin
  • Kreatinin-Normalisierung (≤1,5 mg/dl): 29% vs. 16% (p=0,012)
  • FDA-Zulassung 2022 auf Basis dieser Studie

Wichtige Caveat: Erhöhte Atemdepression/respiratorische Nebenwirkungen in Terlipressin-Gruppe → Patientenauswahl entscheidend.

Einschränkungen

Ateminsuffizienz-Risiko (bei dekompensierter Zirrhose mit Aszites und eingeschränkter Lungenfunktion). Herz-Ischämie möglich (V1a-bedingte Koronarkontriktion). Teure Therapie. Keine orale Formulierung.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

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