Hintergrund
Terlipressin ist ein klinisch wichtiges Vasoaktiv-Peptid für die Hepatologie und Gastroenterologie. Die Leberzirrhose führt zu portaler Hypertension und gefährlichen Ösophagusvarizen. Bei akuter Varizenblutung (Mortalität unbehandelt ~20–30%) ist sofortige pharmakologische Senkung des portalen Drucks entscheidend.
Das hepatorenale Syndrom (HRS) ist eine schwere Komplikation der dekompensierten Zirrhose: Renale Vasokonstriktion bei extremer Splanchnikus-Vasodilatation → funktionelles Nierenversagen ohne strukturelle Nierenschäden. Terlipressin kontrahiert Splanchnikusgefäße → normalisiert renalen Blutfluss.
Wirkmechanismus
- V1a-Rezeptor (Splanchnikusgefäße): Terlipressin → Lysin-Vasopressin → V1a → Gefäßkontraktion → reduzierter Pfortaderdruck
- Portale Drucksenkung: Hepatischer venöser Druckgradient (HVPG)↓ → weniger Varizenblutung-Risiko
- Splanchnische Vasokonstriktion: Umkehrung der pathologischen Splanchnikus-Vasodilatation bei Zirrhose → renaler Blutfluss↑
- Prodrug-Kinetik: Triglycyl-Seitenkette wird langsam abgespalten → gleichmäßige, prolongierte Vasopressin-Freisetzung (sicherer als direktes Vasopressin)
CONFIRM-Trial (NEJM 2021, FDA-Zulassung)
n=300 Patienten mit HRS-AKI:
- Terlipressin + Albumin vs. Placebo + Albumin
- Kreatinin-Normalisierung (≤1,5 mg/dl): 29% vs. 16% (p=0,012)
- FDA-Zulassung 2022 auf Basis dieser Studie
Wichtige Caveat: Erhöhte Atemdepression/respiratorische Nebenwirkungen in Terlipressin-Gruppe → Patientenauswahl entscheidend.
Einschränkungen
Ateminsuffizienz-Risiko (bei dekompensierter Zirrhose mit Aszites und eingeschränkter Lungenfunktion). Herz-Ischämie möglich (V1a-bedingte Koronarkontriktion). Teure Therapie. Keine orale Formulierung.

