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Therapeutische PeptideIn DE zugelassenProfil #142
#142

Setmelanotid

Imcivree® – MC4R-Agonist für genetische Adipositas

Was es ist

Setmelanotid (RM-493, Imcivree®) ist ein synthetisches zyklisches Heptapeptid, das als selektiver MC4R-Agonist wirkt.

Es wurde von Rhythm Pharmaceuticals entwickelt. MC4R (Melanocortin-4-Rezeptor) ist die finale Stufe der POMC-Melanocortin-Sättigungskaskade im Hypothalamus: POMC-Neuronen werden durch Leptin aktiviert, produzieren α-MSH, das MC4R auf paraventrikuären Neuronen aktiviert → Sättigungsgefühl und Energieverbrauch. Mutationen in POMC, PCSK1 (prozessiert POMC zu α-MSH) oder LEPR (Leptin-Rezeptor) blockieren diese Kaskade und verursachen schwere Adipositas ab Kindheit. Setmelanotid überbrückt diesen Defekt durch direkte MC4R-Aktivierung.

Wofür es erforscht wird

  • POMC-Defizienz-Adipositas (Monogen)
  • PCSK1-Defizit-Adipositas
  • Leptin-Rezeptor-Defizit-Adipositas
  • BBSOA (Bardet-Biedl-Syndrom)
  • Alström-Syndrom
  • Allgemeine Adipositas (andere MC4R-assoziierte Formen)

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Im Plasma ca. 11 Stunden. Einmal täglich subkutane Injektion.

Anwendung in der Forschung

2–3 mg s.c. täglich (titration). FDA (2020) und EMA (2021) zugelassen für POMC/PCSK1/LEPR-Defizit-Adipositas. Erweiterung auf Bardet-Biedl-Syndrom 2022.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Verschreibungspflichtiges Medikament

Diese Substanz ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen und ausschließlich auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Die Inhalte dieser Seite dienen nur der Information über Forschungsstand und Wirkmechanismus – sie ersetzen keine ärztliche Beratung und stellen keine Anwendungsempfehlung dar.

Hintergrund

Setmelanotid ist ein Precision-Medicine-Durchbruch: die erste Therapie, die eine spezifische genetische Ursache einer Adipositas kausal behandelt. POMC, PCSK1 und LEPR-Mutationen verursachen schwere frühkindliche Adipositas mit massivem Hungergefühl – diese Kinder haben einen defekten Sättigungs-Signalweg.

Die Idee ist elegant: Wenn die Kaskade an einem bestimmten Punkt unterbrochen ist, kann Setmelanotid downstream von der Unterbrechung ansetzen und MC4R direkt aktivieren.

Sättigungs-Kaskade und Defektpunkte

Leptin → LEPR → POMC-Neuronen → POMC → PCSK1 → α-MSH → MC4R → Sättigung
  ↑          ↑              ↑              ↑              ↑
 Defekt1   Defekt2       Defekt3         Defekt4     Setmelanotid

Wirkmechanismus

  • MC4R-Aktivierung: Setmelanotid → Gs-cAMP → paraventrikuäre Neuronen → Sättigungssignal und sympathische Aktivierung (Energieverbrauch↑)
  • Unabhängig von Upstream-Defekten: Wirkt direkt auf MC4R, unabhängig von POMC/PCSK1/LEPR-Status
  • Appetit↓: Deutliche Reduktion von Hunger und Essdrang bei POMC/LEPR-defizitären Patienten
  • Gewichtsverlust: ~25% Gewichtsverlust bei Phase-III-Responders über 52 Wochen

Klinische Ergebnisse

Phase III (NEJM 2020):

  • 80% der POMC/LEPR-Patienten verloren ≥10% Körpergewicht
  • Massiver Rückgang des Hungerempfindens
  • Hautpigmentierung (MC1R-Nebeneffekt) bei vielen Patienten

Ausweitung auf genetische Syndrome

Bardet-Biedl-Syndrom (BBS) – eine seltene genetische Erkrankung mit ciliopathischer Adipositas: Setmelanotid 2022 auch hierfür zugelassen (Phase III: 44% mit ≥10% Gewichtsverlust).

Einschränkungen

Nur für spezifische genetische Diagnosen (teures Genetic Screening nötig). Kosten >$500.000/Jahr in den USA. Hautpigmentierung als kosmetische Nebenwirkung. Erektionstörungen und Hyperpigmentierung (MC1R-Aktivierung).

STUDIEN

Verlinkte Forschung

01
Phase III2026

Setmelanotide in Bardet-Biedl Syndrome: A Case Report

Smith S, et al. · Pediatr Dermatol

02
Review2024

CRTC1 in Mc4r-Expressing Cells Is Required for Peripheral Metabolism and Systemic Energy Homeostasis

Miyamori H, et al. · Diabetes

Hinweis: Wir empfehlen, jede zitierte Studie eigenständig zu prüfen. Aktualität, Methodik und Übertragbarkeit auf den Menschen sollten kritisch bewertet werden.

WEITERE PROFILE

Verwandte Peptide

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