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Secretin

Erstes entdecktes Hormon – Pankreas- und Duodenal-Regulator

Was es ist

Secretin ist ein endogenes 27-Aminosäuren-Peptidhormon (His-Ser-Asp-Gly-Thr-Phe-Thr-Ser-Glu-Leu-Ser-Arg-Leu-Arg-Glu-Gly-Ala-Arg-Leu-Gln-Arg-Leu-Leu-Gln-Gly-Leu-Val-NH₂) aus S-Zellen des Duodenums und oberen Jejunums.

Es ist das historisch erste entdeckte Hormon überhaupt: William Maddock Bayliss und Ernest Starling extrahierten 1902 aus Dünndarm-Mukosa ein „chemisches Botenstoff”, der Pankreassaft stimuliert, ohne Nervenverbindung zu benötigen. Secretin wurde damit zum Begründer des Hormonkonzepts. Im Pankreas stimuliert Secretin über den Secretin-Rezeptor (SCTR) die Bikarbonat-Sekretion der Gangzellen (Azinuszellen).

Wofür es erforscht wird

  • Pankreasfunktionstest (diagnostisch)
  • Pankreatitis und Pankreas-Schutzwirkung
  • Magensäure-Hemmung (Duodenum-pH-Regulation)
  • Autismus-Spektrum-Störung (kontrovers)
  • Zystische Fibrose
  • Gallengangs- und Gallenblasen-Regulation
  • Neuroprotektive Wirkung (ZNS-Secretin-Rezeptoren)

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Im Plasma 2–5 Minuten.

Anwendung in der Forschung

Humanisches Secretin (ChiRhoStim®, RepliGen): i.v. 0,2 µg/kg für Pankreas-Funktionstest. Synthetisches Secretin (SecreFlo®): gleiche Indikation. Autismus: multiple RCTs mit i.v. Secretin – kein konsistenter Benefit gezeigt.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

Secretin hat den besonderen Ruhm, das erste Hormon in der Geschichte der Biowissenschaften zu sein. Bayliss und Starling zeigten 1902, dass ein chemischer Botenstoff – nicht Nerven – die Pankreas-Sekretion reguliert. Sie nannten ihn Secretin und prägten 1905 dafür den Begriff „Hormon” (griech. „hormao” = in Bewegung setzen). Damit begründeten sie die Endokrinologie als wissenschaftliche Disziplin.

Secretin gehört zur Glucagon-Peptid-Superfamilie (zusammen mit GIP, GLP-1, VIP, PACAP, Glucagon). Alle diese Peptide teilen strukturelle Homologie in der N-terminalen Region.

Wirkmechanismus

  • Bikarbonat-Sekretion: Secretin → SCTR auf Pankreas-Gangzellen → cAMP↑ → HCO₃⁻-Ausschüttung → Neutralisierung von Magensäure im Duodenum
  • Magensäure-Hemmung: Hemmung der Gastrin-stimulierten HCl-Sekretion
  • Gallenblasen: Förderung Gallenfluss und Bikarbonat-reicher Gallenflüssigkeit
  • Trophisch: Proliferationsförderung von Pankreas-Azinuszellen (chronisch)
  • ZNS: Secretin-Rezeptoren im Kleinhirn und Hippocampus; mögliche Rolle bei Lernprozessen

Diagnostische Anwendung

Der Secretin-Stimulationstest ist Goldstandard für:

  • Chronische Pankreatitis (reduzierter HCO₃⁻-Output)
  • Gastrinom/Zollinger-Ellison-Syndrom (paradoxe Gastrin-Erhöhung)
  • MRCP (MR-Cholangiopankreatographie) mit Secretin-Gabe (Gangweitung)

Autismus-Kontroverse

1998 erschien ein Fallbericht über dramatische Verbesserungen bei 3 Kindern nach Secretin-Gabe. Daraufhin explodierten Off-Label-Anfragen. Mehrere große RCTs (Cochrane-Review 2012) zeigten keinerlei konsistenten Benefit gegenüber Placebo. Die Episode gilt als Lehrbeispiel für den Placebo-Effekt und den Druck auf Eltern betroffener Kinder.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

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