Hintergrund
Relaxin wurde 1926 von Frederick Hisaw in Meerschweinchen-Serum entdeckt, weil es die Beckensymphyse während der Schwangerschaft aufweicht (lat. „relaxare” = erschlaffen). Jahrzehnte wurde es nur als Schwangerschaftshormon betrachtet.
Der Paradigmenwechsel kam, als RXFP1-Rezeptoren im Herzen, in Nieren, Leber und Lunge gefunden wurden. Relaxin-2 erwies sich als endogenes Anti-Fibrose-Peptid mit vasodilatierenden und anti-apoptotischen Eigenschaften. Serelaxin (rhRelaxin-2) weckte enorme Erwartungen für die Herzinsuffizienz – bis RELAX-AHF-2 (2019) zeigte, dass der Mortalitäts-Endpunkt trotz verbesserter Symptomatik nicht erreicht wurde.
Wirkmechanismus
- RXFP1 (Gi/Gs): cAMP↑ + NO↑ → Vasodilatation renaler und hepatischer Arterien
- Anti-Fibrose: Hemmung von TGF-β-Signaling, Downregulation von Kollagen I/III-Synthese, Hochregulation von Matrix-Metalloproteasen (MMP-1, MMP-3)
- Kardioprotektiv: Reduktion kardialer Hypertrophie und Fibrose nach Ischämie
- Renoprotektion: Steigerung des renalen Blutflusses, Glomeruläre Filtrationssteigerung
- Relaxin in der Schwangerschaft: Beckenbänder, Gebärmutter-Vaskularisierung, Cervix-Reifung
RELAX-AHF-Saga
RELAX-AHF (2013) zeigte bei Herzinsuffizienz signifikante Dyspnoe-Reduktion und Trend zu geringerer 180-Tage-Mortalität. Das Folge-Trial RELAX-AHF-2 (n=6545) scheiterte am primären Endpunkt. Mögliche Erklärung: Nur ein bestimmter Phänotyp (vasokonstriktive Herzinsuffizienz, erhöhter SBP) profitiert.
Einschränkungen
Serelaxin ist derzeit kein zugelassenes Arzneimittel. Anti-Fibrose-Studien für Leber-/Nierenfibrose laufen noch. Die i.v.-only Applikation limitiert den Einsatz auf den Krankenhausbereich.

