Hintergrund
Amylin wurde 1987 als Hauptbestandteil der amyloiden Ablagerungen in Langerhans-Inseln von Typ-2-Diabetikern entdeckt – daher der ursprüngliche Name IAPP (Islet Amyloid Polypeptide). Dass es ein physiologisch relevantes Hormon ist, das von β-Zellen ko-sezerniert wird, wurde kurz darauf verstanden. Die Entdeckung, dass Typ-1-Diabetiker vollständig amylindefizitär sind, führte zur Idee einer Amylin-Ersatztherapie.
Wirkmechanismus
Pramlintid wirkt über Amylin-Rezeptoren (heterodimere Komplexe aus Calcitonin-Rezeptor + Receptor Activity-Modifying Proteins RAMP1/2/3):
- Glucagonhemmung: Suppression der postprandialen Glucagonsekretion → weniger hepatische Glukoseproduktion
- Magenentleerungsverzögerung: Reduziert Glukose-Einstrom nach Mahlzeiten
- Zentraler Sättigungseffekt: Area postrema-Aktivierung → Appetitkontrolle
- Synergismus mit Insulin: Ergänzende Mechanismen ohne Hypoglykämiepotenzierung (bei richtiger Dosierung)
Forschungsstand
In Phase-III-Studien reduzierte Pramlintid den HbA1c um 0,3–0,6 % zusätzlich zu Insulin und führte zu Gewichtsverlust von 1–2 kg – bei insulinbehandelten Patienten normalerweise gewichtsneutral oder -zunehmend. Die Hauptlimitation: erhöhtes Hypoglykämierisiko zu Beginn der Therapie bei Typ-1-Diabetes (Insulin-Dosisreduktion erforderlich).

