Hintergrund
Die Entdeckung der zentralen Rolle von PYY3-36 durch Rachel Batterham (Nature 2002) war wegweisend: Ein Darmhormon, das direkt Neuronen im Hypothalamus moduliert und Nahrungsaufnahme senkt – ein Beweis, dass die Sättigung kein rein mechanischer, sondern ein hormoneller Prozess ist. PYY gehört zur NPY-Peptid-Familie (NPY, PYY, Pancreatic Polypeptide), die alle über Y-Rezeptoren (Y1–Y5) wirken.
Wirkmechanismus
- Y2-Rezeptor im Arcuatus-Kern: PYY3-36 hemmt NPY/AgRP-Neuronen (Hungerneuronen) → Hungersignal↓
- POMC-Neuronen-Aktivierung: Indirekt → α-MSH-Freisetzung → Sättigung↑
- Ileal Brake: Verlangsamung der gastrointestinalen Motilität → verlängerte Sättigung
- Magenentleerung: Verzögerung → flachere postprandiale Glukosekurve
- Vagus-Interaktion: PYY aktiviert afferente Vagusfasern → Sättigungssignal ans Gehirn
Forschungsstand
PYY3-36-Nasenspray zeigte in frühen klinischen Studien Gewichtsreduktion, aber gastrointestinale Nebenwirkungen (Übelkeit) limitierten die Dosierung. Neuere Strategien kombinieren PYY-Analoga mit GLP-1-Agonisten für additive oder synergistische Effekte.
NN9277 (Novo Nordisk) ist ein langwirkiger GLP-1/PYY-Ko-Agonist in klinischer Entwicklung. Kombinationsansätze erzielen im Präklinischen deutlich höhere Gewichtsreduktionen als GLP-1-Monotherapie.

