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Stoffwechsel & FettverbrennungResearch Use OnlyProfil #174
#174

Oxyntomodulin

OXM – Dualer GLP-1R/GcgR-Agonist aus dem Darm

Was es ist

Oxyntomodulin (OXM) ist ein 37-Aminosäuren-Peptid aus Proglucagon, das post-prandial von intestinalen L-Zellen gemeinsam mit GLP-1 sezerniert wird.

OXM enthält die vollständige Glucagon-Sequenz (Positionen 1-29) plus eine C-terminale Oktapeptid-Extension (KRNRNNIA). Es aktiviert sowohl den GLP-1-Rezeptor (GLP-1R) als auch den Glucagon-Rezeptor (GcgR), allerdings mit niedrigerer Affinität als die selektiven Liganden (Glucagon für GcgR, GLP-1 für GLP-1R). Dieser duale Agonismus ist pharmakologisch interessant: GLP-1R → Insulinsekretion, Sättigung; GcgR → Energieverbrauch↑, Lipolyse, Glykogenolyse. Die Kombination erklärt die starken Gewichtsabnahme-Effekte.

Wofür es erforscht wird

  • Adipositas (starker Gewichtsverlust)
  • Typ-2-Diabetes (Glykämie-Kontrolle)
  • NASH / Leberverfettung (GcgR-Effekte)
  • Dualer GLP-1R/GcgR-Agonismus (Konzept)
  • Bariatrische Chirurgie (Mechanismus-Studie)

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

~12 Minuten im Plasma. Rasche DPP-IV-Degradation. Stabile Analoga in Entwicklung.

Anwendung in der Forschung

Klinische Studien (i.v./s.c. Infusion): Gewichtsverlust in Proof-of-Concept-Studien demonstriert. Nicht als eigenständiges Therapeutikum zugelassen. Konzept übertragen auf: Cotadutide (Novo Nordisk, Phase II für NASH), Retatrutid (Triple-Agonist)

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

Oxyntomodulin steht im Zentrum einer revolutionären Idee in der Diabetologie: Was wenn man nicht nur GLP-1R aktiviert (wie Semaglutid), sondern auch GcgR – und durch die Kombination synergistische metabolische Effekte erzielt?

Aus OXM wurde das Konzept der dualen GLP-1R/GcgR-Agonisten geboren, die jetzt als Therapeutika für NASH, Adipositas und Typ-2-Diabetes entwickelt werden.

Proglucagon: Gewebespezifische Prozessierung

Dasselbe Proglucagon-Protein wird unterschiedlich prozessiert:

  • Pankreas (α-Zellen): → Glucagon (GcgR-Agonist, erhöht Blutglukose)
  • Darm/L-Zellen: → GLP-1 + GLP-2 + Oxyntomodulin + Glicentin

OXM enthält Glucagon-Sequenz (1-29) + Oktapeptid → aktiviert GcgR schwächer als Glucagon, GLP-1R schwächer als GLP-1, aber beide gleichzeitig.

Dualer Agonismus: Mechanistischer Vorteil

GLP-1R-Aktivierung (wie Semaglutid):

  • Insulinsekretion↑ (glukoseabhängig)
  • Sättigung↑, Appetit↓
  • Magenentleerung↓

GcgR-Aktivierung (GcgR-Komponente):

  • Energieverbrauch↑ (braunes Fettgewebe, Thermogenese)
  • Hepatische Glykogenolyse
  • Lipolyse in weißem Fettgewebe
  • Hepatischer Fettsäure-Oxidation↑ (NASH-Effekt)

Synergismus: Stärkerer Gewichtsverlust als reine GLP-1R-Agonisten in Tiermodellen.

Nachfolger: Dual/Triple-Agonisten

OXM inspirierte eine neue Klasse von Peptid-Therapeutika:

  • Cotadutide (Novo Nordisk): GLP-1R/GcgR – Phase II für NASH, Phase II für Adipositas
  • MEDI0382 (AstraZeneca): GLP-1R/GcgR – Phase II Adipositas
  • Retatrutid (#57 in DB): GLP-1R/GcgR/GIPR Triple-Agonist – Phase III

Einschränkungen

OXM selbst zu kurze HWZ (~12 min). Nicht als eigenständiges Therapeutikum zugelassen. Das Konzept lebt weiter in den stabilen Analoga. Risiko von Hyperglukagonismus bei übermäßiger GcgR-Aktivierung.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

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