Hintergrund
Oxyntomodulin steht im Zentrum einer revolutionären Idee in der Diabetologie: Was wenn man nicht nur GLP-1R aktiviert (wie Semaglutid), sondern auch GcgR – und durch die Kombination synergistische metabolische Effekte erzielt?
Aus OXM wurde das Konzept der dualen GLP-1R/GcgR-Agonisten geboren, die jetzt als Therapeutika für NASH, Adipositas und Typ-2-Diabetes entwickelt werden.
Proglucagon: Gewebespezifische Prozessierung
Dasselbe Proglucagon-Protein wird unterschiedlich prozessiert:
- Pankreas (α-Zellen): → Glucagon (GcgR-Agonist, erhöht Blutglukose)
- Darm/L-Zellen: → GLP-1 + GLP-2 + Oxyntomodulin + Glicentin
OXM enthält Glucagon-Sequenz (1-29) + Oktapeptid → aktiviert GcgR schwächer als Glucagon, GLP-1R schwächer als GLP-1, aber beide gleichzeitig.
Dualer Agonismus: Mechanistischer Vorteil
GLP-1R-Aktivierung (wie Semaglutid):
- Insulinsekretion↑ (glukoseabhängig)
- Sättigung↑, Appetit↓
- Magenentleerung↓
GcgR-Aktivierung (GcgR-Komponente):
- Energieverbrauch↑ (braunes Fettgewebe, Thermogenese)
- Hepatische Glykogenolyse
- Lipolyse in weißem Fettgewebe
- Hepatischer Fettsäure-Oxidation↑ (NASH-Effekt)
Synergismus: Stärkerer Gewichtsverlust als reine GLP-1R-Agonisten in Tiermodellen.
Nachfolger: Dual/Triple-Agonisten
OXM inspirierte eine neue Klasse von Peptid-Therapeutika:
- Cotadutide (Novo Nordisk): GLP-1R/GcgR – Phase II für NASH, Phase II für Adipositas
- MEDI0382 (AstraZeneca): GLP-1R/GcgR – Phase II Adipositas
- Retatrutid (#57 in DB): GLP-1R/GcgR/GIPR Triple-Agonist – Phase III
Einschränkungen
OXM selbst zu kurze HWZ (~12 min). Nicht als eigenständiges Therapeutikum zugelassen. Das Konzept lebt weiter in den stabilen Analoga. Risiko von Hyperglukagonismus bei übermäßiger GcgR-Aktivierung.

