Hintergrund
PYY3-36 war 2002 eine der aufregendsten Entdeckungen in der Adipositas-Forschung. Rachel Batterham und Steve Bloom (Imperial College) zeigten, dass PYY3-36-Infusion bei Menschen die Nahrungsaufnahme um ~30% reduziert. Das Peptid wurde sofort als natürliches Sättigungshormon und potenzielle Adipositas-Therapie diskutiert.
Das Thema Bariatrische Chirurgie ist wichtig: Nach Roux-en-Y-Magenbypass steigen PYY3-36-Spiegel deutlich an – dies erklärt teilweise die anhaltende Gewichtsabnahme nach dem Eingriff.
Wirkmechanismus
- Y2-Rezeptor-Aktivierung: PYY3-36 bindet präferentiell Y2-Rezeptor (Gi-gekoppelt) auf NPY/AgRP-Neuronen im Nucleus arcuatus → präsynaptische Hemmung der NPY-Ausschüttung → orexigenes Signal↓
- Ileal Brake: Distale L-Zellen sezernieren PYY nach Mahlzeit → GI-Motilität↓ → Magenentleerung verlangsamt → längere Sättigung
- Kalorienabhängig: PYY-Ausschüttung proportional zur Kalorienanzahl der Mahlzeit → physiologisches Rückkopplungssignal
Bariatrische Chirurgie
Nach Roux-en-Y-Magenbypass: L-Zellen im Dünndarm werden früher mit Nährstoffen konfrontiert → PYY3-36 und GLP-1 steigen stark an. Dies erklärt, warum bariatrische Patienten signifikant weniger Hunger haben als Diät-Patienten mit gleichem Gewichtsverlust.
PYY vs. PYY (1-36)
Peptide YY (#84 in der Datenbank) beschreibt PYY1-36. PYY3-36 ist das dominant zirkulierende und pharmakologisch selektivere Fragment. Der Eintrag hier fokussiert auf PYY3-36 als spezifisches therapeutisches Konzept.
Warum bisher kein Medikament?
Nasale Bioverfügbarkeit von PYY3-36 gering und variabel. Übelkeit als Nebenwirkung bei höheren Dosen. Kurze HWZ. GLP-1-RA (Semaglutid etc.) übernahmen den Markt mit besserer Effizienz und Verträglichkeit. Kombinations-Ansätze (PYY+GLP-1 oder PYY+Oxyntomodulin) in Forschung.

