Bodycode_Research
Therapeutische PeptideResearch Use OnlyProfil #125
#125

Nociceptin / OFQ

Orphanin FQ – Anti-Opioid-Neuropeptid

Was es ist

Nociceptin (NC) oder Orphanin FQ (OFQ) ist ein endogenes 17-Aminosäuren-Neuropeptid (Phe-Gly-Gly-Phe-Thr-Gly-Ala-Arg-Lys-Ser-Ala-Arg-Lys-Leu-Ala-Asn-Gln-OH), 1995 gleichzeitig von zwei Gruppen (Meunier et al., Reinscheid et al.) als Ligand des damals orphanen Rezeptors ORL1/NOP entdeckt.

Es wird aus dem Pronociceptin-Gen prozessiert. Strukturell ähnelt N/OFQ dem N-Terminus von Dynorphin A – hat aber grundlegend andere Pharmakologie: geringere Affinität zu klassischen Opioidrezeptoren (μ, δ, κ), dafür hochselektiv für NOP. Paradoxerweise ist Nociceptin bei spinaler Gabe anti-analgetisch (erhöht Schmerzschwelle), bei supraspinaler Gabe pro-analgetisch – dieses Umkehrprinzip macht die Pharmakologie komplex.

Wofür es erforscht wird

  • Schmerzmodulation (komplex: pro- und antinozizeptiv je nach Applikationsort)
  • Angstzustände und Stressresponse
  • Opioid-Toleranz und -Abhängigkeit
  • Suchterkrankungen (Alkohol, Kokain)
  • Appetitregulation
  • Kognition und Gedächtnis
  • Kardiovaskuläre Regulation

Stand der Forschung

Evidenzlevel: präklinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Sehr kurz im Plasma (<5 Minuten). ZNS-Peptid.

Anwendung in der Forschung

Kein Therapeutikum zugelassen. NOP-Antagonisten (SB-612111, J-113397) und Agonisten (Ro-64-6198) in präklinischer und früher klinischer Entwicklung.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

Premium freischalten – 99 € einmalig

Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

Nociceptin/OFQ war eines der letzten endogenen Peptide, das durch Reverse Pharmacology entdeckt wurde: Forscher fanden einen orphanen GPCR mit Homologie zu Opioid-Rezeptoren und suchten dann seinen endogenen Liganden. 1995 wurden gleichzeitig von zwei Gruppen (Meunier in Genf, Reinscheid in San Diego) die gleichen Ergebnisse veröffentlicht – eine klassische simultane Entdeckung.

Die Benennung ist zwiespältig: „Nociceptin” betont die pro-nozizeptive Komponente (spinale Hyperalgesie), „Orphanin FQ” den orphanen Rezeptor. In der Realität hat N/OFQ bidirektionale Schmerzeffekte.

Wirkmechanismus

  • NOP-Rezeptor (Gi/o): cAMP↓, K⁺-Kanal-Aktivierung, N-Typ Ca²⁺-Kanal-Hemmung → Neuronale Hemmung
  • Spinal (Schmerzhemmung): Spinale NOP-Aktivierung → Hemmung afferenter Nozizeptor-Signale → Hyperalgesie (Schmerzverstärkung) – paradox
  • Supraspinal (Anti-Opioid): NOP-Aktivierung in PAG (periaquäduktales Grau) → Hemmung der endogenen Opioid-Analgesie → Anti-Opioid-Effekt
  • Opioid-Toleranz: N/OFQ-Freisetzung bei chronischer Opioid-Gabe → Beiträg zur Toleranzentwicklung
  • Stress-Modulation: NOP in CRH-Neuronen → Stress-Reaktivitäts-Dämpfung

Therapeutisches Potenzial

NOP-Antagonisten: Könnten klassische Opioid-Analgesie verstärken ohne Toleranz → adjuvante Schmerztherapie

Buprenorphin (klinisch zugelassen): Partieller MOR-Agonist, KOR-Antagonist UND partieller NOP-Agonist – die NOP-Komponente erklärt möglicherweise einige einzigartigen Eigenschaften von Buprenorphin (geringes Abhängigkeitspotenzial)

Einschränkungen

Die bidirektionale, vom Applikationsort abhängige Schmerzpharmakologie macht klinische Entwicklung komplex. Alle klinisch relevanten Daten aus Tiermodellen. Kein zugelassenes NOP-targeting Therapeutikum (außer Buprenorphin indirekt).

STUDIEN

Verlinkte Forschung

01
Original Research1997

The orphan opioid receptor and its endogenous ligand--nociceptin/orphanin FQ

Henderson G, et al. · Trends Pharmacol Sci

Hinweis: Wir empfehlen, jede zitierte Studie eigenständig zu prüfen. Aktualität, Methodik und Übertragbarkeit auf den Menschen sollten kritisch bewertet werden.

WEITERE PROFILE

Verwandte Peptide

Zurück zur Datenbank
Teilen