Hintergrund
Neurotensin gehört zu den faszinierendsten Neuropeptiden, weil es als „endogenes Antipsychotikum” diskutiert wird. Die Beobachtung, dass Antipsychotika die Neurotensin-Freisetzung im mesolimbischen System steigern, und umgekehrt Neurotensin Dopamin-abhängige Verhaltensweisen ähnlich wie Antipsychotika moduliert, hat die Hypothese begründet: NT ist Teil des endogenen Schutzmechanismus gegen Dopamin-Überschuss.
Neurotensin wurde auch als Adipositas-relevanter Faktor erkannt: In Fettzellen exprimiert und nach fettreicher Mahlzeit aus dem Dünndarm freigesetzt, wirkt NT als postprandiales Sättigungssignal.
Wirkmechanismus
- NTS1 (mesolimbisch, frontal): Hemmung überschießender Dopamin-Transmission → antipsychotisch, analgetisch
- NTS2 (weite Verteilung): Analgesie, Hypothermie-Modulation
- NTS3/Sortilin: Neuropeptid-Trafficking und Proteosomale Funktion
- Dopamin-Freisetzungshemmung: NT im Nucleus accumbens hemmt Dopamin-Release → Sucht-Dämpfung
- Antinozizeptiv: Rückenmarkswirkung unabhängig von Opioid-Rezeptoren
- Hypotherm: Neurotensin senkt Körperkerntemperatur durch Hypothalamuswirkung
Forschungsstand
NTS1-Agonisten zeigen in Tier-Schizophrenie-Modellen antipsychotische Wirkung ohne die extrapyramidalen Nebenwirkungen klassischer Antipsychotika. Die Entwicklung stabiler, ZNS-gängiger NT-Analoga ist herausfordernd, aber aktiv: PD149163 hat zeigt in Phase-I-Studien Tolierabilität. NT-Rezeptoren sind zudem in vielen Tumorarten überexprimiert und werden als Zielstruktur für Radiopeptidtherapie untersucht.
Einschränkungen
Natives Neurotensin ist klinisch nicht nutzbar (zu instabil, kein ZNS-Zugang). Die Übertragung vom Tiermodell auf den Menschen ist nicht gesichert.

