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Therapeutische PeptideResearch Use OnlyProfil #94
#94

Neurotensin

Neuropeptid mit antipsychotischen und analgetischen Eigenschaften

Was es ist

Neurotensin (NT) ist ein endogenes 13-Aminosäuren-Neuropeptid (pGlu-Leu-Tyr-Glu-Asn-Lys-Pro-Arg-Arg-Pro-Tyr-Ile-Leu-OH), erstmals 1973 von Carraway und Leeman aus bovinem Hypothalamus isoliert.

Es wird aus dem Proneurotensin/Neuromedin N-Vorläuferprotein prozessiert. NT-Rezeptoren (NTS1, NTS2, NTS3) sind G-Protein-gekoppelte Rezeptoren, weit verteilt in Gehirn, Rückenmark und Peripherie. Neurotensin moduliert Dopamin-Übertragung im mesolimbischen und nigrostriatalen System, wirkt analgetisch (auch an Opioid-unabhängigen Wegen) und hat ausgeprägte hypotherme Wirkung.

Wofür es erforscht wird

  • Dopamin-Modulation und antipsychotische Wirkung
  • Analgesie (Opioid-unabhängige Schmerzhemmung)
  • Körpertemperaturregulation (Hypothermie)
  • Suchterkrankungen (Kokain, Alkohol)
  • Metabolismus und Adipositas
  • Gastrointestinale Motorik
  • Krebsforschung (NT-Rezeptor-Expression in Tumoren)

Stand der Forschung

Evidenzlevel: präklinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Extrem kurz im Plasma (<1 Minute). Durch Endopeptidasen inaktiviert.

Anwendung in der Forschung

Kein Therapeutikum zugelassen. NTS1-Agonisten (PD149163) und NTS1-Antagonisten in präklinischer Entwicklung für Schizophrenie und Sucht.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

Neurotensin gehört zu den faszinierendsten Neuropeptiden, weil es als „endogenes Antipsychotikum” diskutiert wird. Die Beobachtung, dass Antipsychotika die Neurotensin-Freisetzung im mesolimbischen System steigern, und umgekehrt Neurotensin Dopamin-abhängige Verhaltensweisen ähnlich wie Antipsychotika moduliert, hat die Hypothese begründet: NT ist Teil des endogenen Schutzmechanismus gegen Dopamin-Überschuss.

Neurotensin wurde auch als Adipositas-relevanter Faktor erkannt: In Fettzellen exprimiert und nach fettreicher Mahlzeit aus dem Dünndarm freigesetzt, wirkt NT als postprandiales Sättigungssignal.

Wirkmechanismus

  • NTS1 (mesolimbisch, frontal): Hemmung überschießender Dopamin-Transmission → antipsychotisch, analgetisch
  • NTS2 (weite Verteilung): Analgesie, Hypothermie-Modulation
  • NTS3/Sortilin: Neuropeptid-Trafficking und Proteosomale Funktion
  • Dopamin-Freisetzungshemmung: NT im Nucleus accumbens hemmt Dopamin-Release → Sucht-Dämpfung
  • Antinozizeptiv: Rückenmarkswirkung unabhängig von Opioid-Rezeptoren
  • Hypotherm: Neurotensin senkt Körperkerntemperatur durch Hypothalamuswirkung

Forschungsstand

NTS1-Agonisten zeigen in Tier-Schizophrenie-Modellen antipsychotische Wirkung ohne die extrapyramidalen Nebenwirkungen klassischer Antipsychotika. Die Entwicklung stabiler, ZNS-gängiger NT-Analoga ist herausfordernd, aber aktiv: PD149163 hat zeigt in Phase-I-Studien Tolierabilität. NT-Rezeptoren sind zudem in vielen Tumorarten überexprimiert und werden als Zielstruktur für Radiopeptidtherapie untersucht.

Einschränkungen

Natives Neurotensin ist klinisch nicht nutzbar (zu instabil, kein ZNS-Zugang). Die Übertragung vom Tiermodell auf den Menschen ist nicht gesichert.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

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