Hintergrund
Neuromedin U wurde ursprünglich nach seiner Fähigkeit benannt, den Uterus zu kontrahieren (Neuromedin = aus Nervengewebe; U = Uterus). Die Entdeckung seiner Rolle in der Appetitkontrolle kam später und überraschte.
Wie GLP-1 und PYY ist NMU ein Gut-Brain-Signalmolekül: nach der Mahlzeit freigesetzt und zur Hemmung weiterer Nahrungsaufnahme beitragend. Anders als GLP-1 hat NMU eine starke Stresskomponente (HPA-Achse) – chronische NMU-Gabe verursacht Stresssymptome in Tiermodellen.
Wirkmechanismus
- NMU2R im Hypothalamus (Arc, PVN): Nahrungsaufnahme↓, Energieverbrauch↑, Thermogenese in braunem Fettgewebe↑
- CRH-Aktivierung: NMU → CRH↑ im PVN → Cortisol → HPA-Stress-Kaskade
- POMC-Neuronen: Aktivierung anorexigener POMC-Neuronen im Arcuatus
- NMU1R peripher: GI-Motilität-Modulation, Magenentleerung-Hemmung
- Thermogenese: Braunfett-Aktivierung → erhöhter Energieverbrauch
Verwandte Peptide
- Neuromedin S (NMS): 36 AS, strukturell ähnlich, bindet NMU1R und NMU2R
- Neuromedin N (NN): Neurotensin-verwandt (6 AS, C-terminaler Teil des Neurotensin-Vorläufers)
- Neuromedin B (NMB): Bombesin-verwandtes Peptid (GI-Wirkungen)
Neuromedin-Familie ist diverse – nicht alle Neuromedin-Peptide sind direkt verwandt.
Unterschiede zu GLP-1 als Adipositas-Target
NMU und GLP-1 hemmen beide Nahrungsaufnahme, wirken aber auf unterschiedlichen Wegen:
- GLP-1: direkte Wirkung auf Hypothalamus, Hirnstamm (kein HPA-Stress)
- NMU: starke HPA-Achsen-Aktivierung → Cortisol → potentiell metabolisch nachteilig bei Dauertherapie
Einschränkungen
HPA-Aktivierung als Nebenwirkung bei Dauertherapie problematisch (Cortisol → metabolisches Syndrom). Kurze Halbwertszeit. Keine Humandaten. Therapie-Entwicklung wegen HPA-Effekten schwierig.

