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#101

Nesiritid

BNP-Analogon – Rekombinantes natriuretisches Peptid für Herzinsuffizienz

Was es ist

Nesiritid (Natrecor®) ist ein rekombinantes humanes B-Typ natriuretisches Peptid (rhBNP) mit der gleichen 32-Aminosäuren-Sequenz wie endogenes BNP.

Es wurde von Scios Inc. entwickelt und 2001 von der FDA für die Behandlung akuter dekompensierter Herzinsuffizienz zugelassen. BNP wird physiologisch von ventrikulären Kardiomyozyten bei erhöhter Wandspannung freigesetzt und wirkt über den Natriuretischen-Peptid-Rezeptor A (NPR-A) vasodilatatorisch, natriuretisch und antifibrotisch. Als intravenöse Formulierung senkt Nesiritid rasch den pulmonalen Kapillardruck und die Vorlast bei dekompensierten Herzinsuffizienz-Patienten.

Wofür es erforscht wird

  • Akute dekompensierte Herzinsuffizienz
  • Pulmonale Hypertension
  • Kardiorenales Syndrom
  • Perioperativer Herzschutz
  • Anti-Fibrotische Wirkung (präklinisch)

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Im Plasma 18 Minuten. Als Infusion kontinuierlich verabreicht.

Anwendung in der Forschung

FDA-zugelassen: i.v. Bolus 2 µg/kg, dann Dauerinfusion 0,01 µg/kg/min. Krankenhausanwendung (Notfall-/Intensivstation). Kontraindikation: kardiogener Schock, systolischer Blutdruck <90 mmHg.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Im Ausland zugelassen – in DE nicht

Diese Substanz ist in einzelnen Ländern (z. B. USA) als Arzneimittel zugelassen, in Deutschland jedoch nicht. Ein Import oder die Anwendung in Deutschland ist rechtlich problematisch. Die Inhalte dienen ausschließlich der Information über den internationalen Forschungs- und Zulassungsstand.

Hintergrund

Nesiritid war 2001 das erste zugelassene rekombinante natriuretische Peptid und stellte eine neue Klasse der Herzinsuffizienz-Therapie dar. Anfänglicher Enthusiasmus wich Kontroversen: Eine 2005 veröffentlichte Meta-Analyse suggerierte mögliche Nierenschäden und erhöhte 30-Tages-Mortalität. Diese Bedenken führten zu drastischem Rückgang des klinischen Einsatzes.

Die ASCEND-HF-Studie (2011, n=7141) klärte das Sicherheitsprofil: Nesiritid reduzierte Dyspnoe moderat, hatte aber keinen Einfluss auf Mortalität oder Rehospitalisierung. Nierenschäden wurden nicht bestätigt. Heute ist Nesiritid eine Zweitzeinoption bei akuter Herzinsuffizienz – besonders bei Patienten, die auf konventionelle Diuretika nicht ansprechen.

Wirkmechanismus

  • NPR-A-Aktivierung: Bindung an Natriuretischen-Peptid-Rezeptor A → cGMP↑ → glatte Muskelrelaxation
  • Vasodilatation: Dilatation von Venen und Arterien → Preload und Afterload Reduktion
  • Natriurese/Diurese: Erhöhte renale Natriumausscheidung → Volumenentlastung
  • Antifibrotisch: Hemmung von Cardiac Fibrosis (präklinisch: TGF-β Suppression)
  • Anti-RAAS: Aldosteron-Suppression, Renin-Hemmung
  • Anti-sympathisch: Dämpfung des sympathischen Nervensystems im Herz

Vergleich mit endogenem BNP

BNP ist der wichtigste Biomarker der Herzinsuffizienz (NT-proBNP im Serum). Paradoxerweise sind bei schwerer Herzinsuffizienz BNP-Spiegel massiv erhöht, aber die biologische Wirksamkeit ist reduziert (Rezeptor-Desensibilisierung, NPR-C-Clearance). Exogenes Nesiritid überwindet diese relative BNP-Resistenz.

Einschränkungen

Nesiritid verbessert Symptome (Dyspnoe), hat aber keinen Überlebensvorteil gezeigt. Hypotonie ist häufigste Nebenwirkung. Teuer, nur i.v., nur stationär. In der aktuellen Herzinsuffizienz-Leitlinie nur bei unzureichendem Ansprechen auf Diuretika erwogen.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

01
Phase III RCT2019

Prognostic Implications of Changes in Amino-Terminal Pro-B-Type Natriuretic Peptide in Acute Decompensated Heart Failure: Insights From ASCEND-HF

Grodin JL, et al. · J Card Fail

Hinweis: Wir empfehlen, jede zitierte Studie eigenständig zu prüfen. Aktualität, Methodik und Übertragbarkeit auf den Menschen sollten kritisch bewertet werden.

WEITERE PROFILE

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