Hintergrund
Nesiritid war 2001 das erste zugelassene rekombinante natriuretische Peptid und stellte eine neue Klasse der Herzinsuffizienz-Therapie dar. Anfänglicher Enthusiasmus wich Kontroversen: Eine 2005 veröffentlichte Meta-Analyse suggerierte mögliche Nierenschäden und erhöhte 30-Tages-Mortalität. Diese Bedenken führten zu drastischem Rückgang des klinischen Einsatzes.
Die ASCEND-HF-Studie (2011, n=7141) klärte das Sicherheitsprofil: Nesiritid reduzierte Dyspnoe moderat, hatte aber keinen Einfluss auf Mortalität oder Rehospitalisierung. Nierenschäden wurden nicht bestätigt. Heute ist Nesiritid eine Zweitzeinoption bei akuter Herzinsuffizienz – besonders bei Patienten, die auf konventionelle Diuretika nicht ansprechen.
Wirkmechanismus
- NPR-A-Aktivierung: Bindung an Natriuretischen-Peptid-Rezeptor A → cGMP↑ → glatte Muskelrelaxation
- Vasodilatation: Dilatation von Venen und Arterien → Preload und Afterload Reduktion
- Natriurese/Diurese: Erhöhte renale Natriumausscheidung → Volumenentlastung
- Antifibrotisch: Hemmung von Cardiac Fibrosis (präklinisch: TGF-β Suppression)
- Anti-RAAS: Aldosteron-Suppression, Renin-Hemmung
- Anti-sympathisch: Dämpfung des sympathischen Nervensystems im Herz
Vergleich mit endogenem BNP
BNP ist der wichtigste Biomarker der Herzinsuffizienz (NT-proBNP im Serum). Paradoxerweise sind bei schwerer Herzinsuffizienz BNP-Spiegel massiv erhöht, aber die biologische Wirksamkeit ist reduziert (Rezeptor-Desensibilisierung, NPR-C-Clearance). Exogenes Nesiritid überwindet diese relative BNP-Resistenz.
Einschränkungen
Nesiritid verbessert Symptome (Dyspnoe), hat aber keinen Überlebensvorteil gezeigt. Hypotonie ist häufigste Nebenwirkung. Teuer, nur i.v., nur stationär. In der aktuellen Herzinsuffizienz-Leitlinie nur bei unzureichendem Ansprechen auf Diuretika erwogen.

