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Therapeutische PeptideResearch Use OnlyProfil #98
#98

Motilin

GI-Motilitätshormon – Vorbild der Erythromycin-Wirkung

Was es ist

Motilin ist ein endogenes 22-Aminosäuren-Peptidhormon (His-Ser-Gln-Gly-Thr-Phe-Thr-Ser-Asp-Leu-Lys-Thr-Leu-Gln-Gln-Lys-Glu-Gln-Lys-Glu-Gln-Ser), das 1971 von Brown aus dem oberen Dünndarm (Duodenum und Jejunum) von Schweinen isoliert wurde.

Es wird von M-Zellen der Darmmukosa sezerniert und ist der primäre physiologische Auslöser des Migrating Motor Complex (MMC) – der rhythmischen peristaltischen Kontraktionswelle, die den Darm im Nüchternzustand „durchfegt”. Der Motilin-Rezeptor (MLNR, GPR38) ist ein G-Protein-gekoppelter Rezeptor in Dünndarm-Muskel und -Neuronen.

Wofür es erforscht wird

  • Gastroparese (verzögerte Magenentleerung)
  • Postoperativer Ileus
  • Kurzdarmsyndrom und intestinale Motilitätsstörungen
  • Erythromycin-Prokinetik (Motilin-Agonismus)
  • Reizdarmsyndrom (IBS-C)
  • Neonatale Ernährungstherapie

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Nativ sehr kurz (5–10 Minuten). Durch Endopeptidasen inaktiviert.

Anwendung in der Forschung

Natives Motilin: kein Therapeutikum. Motilin-Agonisten: Erythromycin (50–250 mg i.v.) als Prokinetikum bei Gastroparese (off-label, Standard in Intensivmedizin). Neue selektive Motilin-Agonisten: Camicinal (Phase II, GSK) – Entwicklung gestoppt. Relamorelin (Ghrelin-Agonist) als Alternative entwickelt.

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Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

Motilin ist besonders bekannt durch einen pharmakologischen Zufallsbefund: 1984 entdeckten Itoh et al., dass Erythromycin – ein Makrolid-Antibiotikum – an Motilin-Rezeptoren bindet und prokinetische Wirkung hat. Seitdem ist Erythromycin der meistgenutzte Motilin-Agonist in der Intensivmedizin bei Magenentleerungsstörungen, obwohl es eigentlich ein Antibiotikum ist.

Der MMC (Migrating Motor Complex) ist ein zyklischer Motilitätsmuster im Nüchternzustand, der alle 90–120 Minuten abläuft und den GI-Trakt von Resten reinigt. Motilin ist der Hauptauslöser der Phase III des MMC (starke propulsive Kontraktionen). Fehlt dieser Rhythmus (z.B. bei diabetischer Gastroparese), akkumulieren Reste und pathogene Keime.

Wirkmechanismus

  • MLNR-Aktivierung (glatte Muskulatur, Myenterisches Plexus): Starke propulsive Kontraktionen im Magen und Dünndarm
  • MMC-Auslösung: Zyklische Freisetzung alle 90 min im Nüchternzustand → „Haushaltswelle”
  • Magenentleerung↑: Beschleunigung der Magenentleerung bei verzögerter Motilität
  • Erythromycin-Mimikry: Erythromycin bindet MLNR mit geringerer Affinität als nativ Motilin, aber klinisch ausreichend prokinetisch

Klinische Anwendung

Erythromycin i.v. (125–250 mg) ist Standard-Prokinetikum auf Intensivstationen für enterale Ernährung bei Gastroparese. Tachyphylaxie (Rezeptor-Desensibilisierung nach 3–7 Tagen) limitiert Dauertherapie. Neuere selektive Motilin-Agonisten ohne Antibiotika-Wirkung (Camicinal) haben Phase II abgeschlossen, wurden aber nicht weiterentwickelt.

Einschränkungen

Natives Motilin ist therapeutisch nicht nutzbar (zu instabile HWZ). Selektive Motilin-Agonisten haben die klinischen Erwartungen bisher nicht erfüllt. Relamorelin (Ghrelin-Agonist) hat Motilin-Agonisten als experimentellen Prokinetika-Ansatz teils überholt.

STUDIEN

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