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Therapeutische PeptideIn DE zugelassenProfil #78
#78

Icatibant

Bradykinin-B2-Rezeptor-Antagonist

Was es ist

Icatibant (HOE-140, Firazyr®) ist ein synthetisches Decapeptid-Analogon von Bradykinin mit B2-Rezeptor-antagonistischer Wirkung.

Es wurde von Hoechst (jetzt Sanofi) entwickelt und enthält mehrere nicht-proteinogene Aminosäuren, die es gegen proteolytischen Abbau stabilisieren. Bradykinin ist der zentrale Mediator der Ödementstehung beim hereditären Angioödem (HAE Typ I/II, C1-Inhibitor-Mangel): Unkontrollierte Kallikrein-Aktivierung → Bradykinin-Freisetzung → B2-Rezeptor-Aktivierung → Vasopermeabilität↑. Icatibant blockiert diesen letzten Schritt selektiv. FDA- und EMA-Zulassung 2011.

Wofür es erforscht wird

  • Hereditäres Angioödem (HAE Typ I und II) – akute Attacken
  • Bradykinin-vermittelte Angioödeme (ACE-Hemmer-induziert)
  • Ischämie-Reperfusionsschäden (experimentell)
  • Neuroinflammation (experimentell)
  • Septischer Schock (präklinisch)

Stand der Forschung

Evidenzlevel: zugelassen.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Ca. 1–2 Stunden. Wirkdauer bei HAE-Attacken: klinische Verbesserung innerhalb von 2 Stunden, vollständige Auflösung oft in 4–6 Stunden.

Anwendung in der Forschung

Subkutan: 30 mg (3 ml) einmalig in Bauchregion. Bei unvollständiger Symptomkontrolle: weitere 30-mg-Dosen im Abstand von 6 Stunden möglich (max. 3 Dosen/24 h). Selbstinjektion durch Patienten möglich.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Verschreibungspflichtiges Medikament

Diese Substanz ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen und ausschließlich auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Die Inhalte dieser Seite dienen nur der Information über Forschungsstand und Wirkmechanismus – sie ersetzen keine ärztliche Beratung und stellen keine Anwendungsempfehlung dar.

Hintergrund

Das Hereditäre Angioödem (HAE) ist eine seltene, lebensbedrohliche Erkrankung (1:50.000) durch C1-Inhibitor-Mangel (Typ I) oder -Dysfunktion (Typ II). Ohne ausreichenden C1-Inhibitor wird das Kallikrein-Kinin-System unkontrolliert aktiviert: Präkallikrein → Kallikrein → Kininogen → Bradykinin. Bradykinin aktiviert B2-Rezeptoren an Endothelzellen und löst massive Gefäßpermeabilität aus – akute Schwellungen in Gesicht, Glottis (lebensbedrohlich), Abdomen und Extremitäten.

Icatibant war das erste subkutan applizierbare, schnell wirkende Medikament für HAE-Akutattacken, das Selbstinjektion durch Patienten ermöglicht.

Wirkmechanismus

  • Kompetitiver B2-Antagonismus: Icatibant besetzt den Bradykinin-B2-Rezeptor ohne Aktivierung
  • Vasopermeabilität↓: Keine B2-vermittelte Endothelkontraktion und -öffnung von Tight Junctions
  • Kinin-Blockade: Wirkt auch gegen Kallidin (Lys-Bradykinin) am B2-Rezeptor

Wichtig: Icatibant wirkt ausschließlich auf B2-Rezeptoren (nicht B1) – B1-Rezeptoren werden beim HAE nicht primär aktiviert, sind aber bei chronischer Entzündung relevant.

Forschungsstand

Die FAST-1 und FAST-2 Studien (2010) zeigten konsistent eine mediane Zeit bis zur Symptomstopp von etwa 2,0–2,5 Stunden unter Icatibant vs. 19,8 Stunden unter Placebo (FAST-1) bzw. 12 Stunden unter Tranexamsäure (FAST-2). Icatibant hat HAE-Selbstmanagement revolutioniert: Patienten können akute Attacken eigenständig behandeln, ohne Notaufnahme.

ACE-Hemmer-induziertes Angioödem (off-label) wird ebenfalls mit Icatibant behandelt, da ACE-Hemmer den Bradykinin-Abbau blockieren und zu B2-Überaktivierung führen. Studien zeigen schnellere Auflösung als unter Antihistaminika/Kortikoiden.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

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