Hintergrund
Goserelin/Zoladex® ist seit den 1980ern ein Standard-Therapeutikum in der Onkologie. Die Innovation lag nicht nur im Peptid selbst, sondern im Implantat-Delivery-System: Das bioabbaubare Polylaktat-Polymer-Stäbchen revolutionierte die Akzeptanz der GnRH-Agonisten-Therapie, da Patienten nicht mehr täglich Injektionen benötigen.
Wirkmechanismus
Gleich wie alle GnRH-Agonisten:
- Flare-Phase (Wochen 1–2): GnRH-Rezeptor-Stimulation → LH/FSH-Surge → Testosteron/Östrogen-Anstieg
- Desensitisierung (ab Woche 2–4): GnRH-Rezeptor-Downregulation → LH/FSH↓ → Testosteron auf Kastrationsniveau (<50 ng/dL) oder Östrogen auf Menopausen-Niveau
Prostatakarzinom: Medikamentöse Kastration
Androgene (Testosteron, DHT) stimulieren Prostatakarzinom-Wachstum. Kastrationsniveau (Goserelin) hemmt Proliferation → Tumor-Regression oder -Stabilisierung. Kombiniert mit Anti-Androgenen (Bicalutamid) als "totale Androgenblockade". Heute auch in Kombination mit Enzalutamid, Apalutamid oder Abirateron.
Mammakarzinom: Ovarielle Suppression
Bei prämenopausalen Frauen mit HR+/HER2- Mammakarzinom: Goserelin unterdrückt ovariellen Östrogenproduktion → gleichwertig zur operativen Ovarektomie. In Kombination mit Tamoxifen oder Aromatasehemmer für bessere Wirkung.
Fertilitätserhalt
Neuere Daten: Goserelin während Chemotherapie schützt möglicherweise Eierstöcke vor chemotoxischen Schäden → höhere Rate an POI-Prävention. Noch kontrovers, aber in Leitlinien verankert.
Einschränkungen
Flare-Effekt beim Prostatakarzinom erfordert Anti-Androgen-Abdeckung. Osteoporose bei Langzeit-ADT (Androgen Deprivation Therapy) → DEXA-Monitoring, Bisphosphonat-Supplementierung. Metabolisches Syndrom unter ADT (Insulinresistenz, Dyslipidämie, Herzrisiko).

