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Therapeutische PeptideIn DE zugelassenProfil #145
#145

GLP-2

Glucagon-Like Peptide-2 – Intestinaler Trophikfaktor

Was es ist

GLP-2 (Glucagon-Like Peptide-2) ist ein endogenes 33-Aminosäuren-Peptidhormon aus demselben Proglukagon-Gen wie GLP-1 und Glucagon.

Es wird ebenfalls von intestinalen L-Zellen im Dünndarm und Kolon nach Nahrungsaufnahme sezerniert. Im Gegensatz zu GLP-1 (Insulinotropisch) wirkt GLP-2 primär auf den Darm: Es bindet an den GLP-2-Rezeptor (GLP-2R) auf intestinalen Epithelzellen und submukösen Neuronen und stimuliert Schleimhaut-Proliferation, hemmt Apoptose und verbessert Nährstoff-Absorption. GLP-2 ist der physiologische Haupttreiber der intestinalen Trophik nach Mahlzeiten. Das synthetische, proteaseresistente Analogon Teduglutid (Gattex®/Revestive®) ist für Kurzdarmsyndrom zugelassen.

Wofür es erforscht wird

  • Kurzdarmsyndrom (parenterale Ernährungs-Entwöhnung)
  • Intestinale Anpassung und Schleimhaut-Regeneration
  • Leaky Gut und Darmbarriere-Schutz
  • Morbus Crohn (intestinaler Heilungsprozess)
  • Strahlenenteritis
  • Malabsorptions-Syndrome

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Nativ: <7 Minuten (DPP-IV-Abbau). Teduglutid (DPP-IV-resistent): ~2 Stunden.

Anwendung in der Forschung

Teduglutid (Gattex®/Revestive®): 0,05 mg/kg s.c. täglich. FDA (2012) und EMA (2012) zugelassen für Kurzdarmsyndrom bei Erwachsenen und Kindern ≥1 Jahr.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Verschreibungspflichtiges Medikament

Diese Substanz ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen und ausschließlich auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Die Inhalte dieser Seite dienen nur der Information über Forschungsstand und Wirkmechanismus – sie ersetzen keine ärztliche Beratung und stellen keine Anwendungsempfehlung dar.

Hintergrund

GLP-2 wurde 1996 von Drucker et al. entdeckt, kurz nach GLP-1. Das Proglukagon-Gen ist bemerkenswert: Es kodiert in verschiedenen Geweben unterschiedliche Peptide durch gewebespezifisches Splicing. Im Pankreas: Glucagon. In L-Zellen des Darms: GLP-1 + GLP-2. Im Hirnstamm: alle drei Peptide.

Die Entdeckung, dass GLP-2 intestinale Proliferation stimuliert und intestinale Adaptation fördert, öffnete den Weg zur Behandlung des Kurzdarmssyndroms – einer seltenen aber schwerwiegenden Erkrankung nach ausgedehnten Darmresektionen.

Wirkmechanismus

  • GLP-2R (Gs): cAMP↑ → intestinale Epithelzellen-Proliferation, anti-apoptotisch
  • Krypta-Proliferation: Vermehrung intestinaler Stammzellen → Schleimhaut-Hypertrophie
  • Tight-Junction-Verstärkung: Verbesserung der intestinalen Barrierefunktion
  • Absorptions-Steigerung: Mehr Absorptionsfläche durch Zottenverlängerung → bessere Nährstoff-Aufnahme
  • GI-Motorik: Hemmung der Magenentleerung und GI-Motilität (koordiniert mit GLP-1)
  • Mesenterialer Blutfluss↑: Förderung der Blutversorgung des Dünndarms

Kurzdarmsyndrom (KDS)

KDS entsteht nach Resektion von >200 cm Dünndarm (meist durch Volvulus, Morbus Crohn, Ischämie). Betroffene sind chronisch auf parenterale Ernährung (PE) angewiesen.

Teduglutid (DPP-IV-resistentes GLP-2-Analogon) stimuliert intestinale Adaptation → mehr Absorptionsfläche → Reduktion PE-Bedarf.

Phase-III-STEPS-Studie (2012): ~63% der Teduglutid-Patienten reduzierten parenterale Ernährung ≥20%, einige konnten vollständig entwöhnt werden.

GLP-2 und Leaky Gut

GLP-2 verstärkt Tight Junctions im Darmepithel → potenzielle Anwendung bei Leaky Gut, obwohl Teduglutid hierfür nicht zugelassen ist. Forschung läuft.

Einschränkungen

Teduglutid sehr teuer (~$170.000/Jahr). Darmtumor-Surveillance nötig (proliferative Wirkung könnte bestehende Tumore beschleunigen → Koloskopie empfohlen). Nur zugelassen für Kurzdarmsyndrom.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

01
Original Research2002

Glucagon-like peptide 2 stimulates intestinal epithelial proliferation in vitro

Jasleen J, et al. · Dig Dis Sci

Hinweis: Wir empfehlen, jede zitierte Studie eigenständig zu prüfen. Aktualität, Methodik und Übertragbarkeit auf den Menschen sollten kritisch bewertet werden.

WEITERE PROFILE

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