Hintergrund
Gastrin ist eines der ältesten bekannten Gastrointestinalhormone. John Sidney Edkins entdeckte 1905 die Magenschleimhaut-Substanz, die Säure stimuliert – der Begriff „Gastrin” wurde etabliert. R.A. Gregory und H.J. Tracy sequenzierten Gastrin 1964 und ermöglichten damit die Entwicklung von Protonenpumpenhemmern und H₂-Blockern.
Das Zollinger-Ellison-Syndrom (1955 beschrieben) – massenhafte Gastrinproduktion durch pankreatische Gastrinome → unkontrollierte Magensäure → multiple Ulzera – machte die klinische Bedeutung der Gastrin-Achse deutlich.
Wirkmechanismus
- CCK2R auf ECL-Zellen: Gastrin → Histamin-Freisetzung → H₂-Rezeptoren auf Belegzellen → H⁺/K⁺-ATPase-Aktivierung → Magensäure
- Direkte CCK2R auf Belegzellen: Geringe direkte Säurestimulation
- Trophisch: Gastrin stimuliert Proliferation der gastrischen Mukosa (Belegzellen, ECL-Zellen)
- Motilität: Stimuliert Magenentleerung und untere Ösophagussphinkter-Tonus
- Pankreatisch: Fördert Pankreasenzym-Sekretion
Gastrin und Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI)
Chronische PPI-Therapie hemmt Magensäure → kompensatorisch stark erhöhte Gastrin-Spiegel (reaktive Hypergastrinämie). Erhöhte Gastrin-Spiegel sind trophisch für die Magenmukosa → theoretisches, in epidemiologischen Studien aber nicht klar belegtes Karzinom-Risiko.
CCK2R-Antagonisten für Krebs?
CCK2R (Gastrinrezeptor) ist in verschiedenen Tumoren überexprimiert (Magen, Kolon, Pankreas). Gastrin-CCK2R-Signaling fördert Tumorwachstum. Antagonisten (Z-360, Itriglumide) werden als Krebstherapeutika in Phase I/II geprüft.
Einschränkungen
Natives Gastrin therapeutisch nicht nutzbar. Klinische Bedeutung liegt in Diagnostik (Serum-Gastrin-Test) und Pathophysiologie (Hypergastrinämie, Gastrinom).

