Hintergrund
Galanin erlangte besonderes klinisches Interesse durch die Alzheimer-Forschung: In Alzheimer-Gehirnen sind cholinerge Neuronen des basalen Vorderhirns – die zentralen Gedächtnis-Neuronen – massiv von galaninergen Fasern überwuchert (hyperinnerviert). Diese Galanin-Überinnervation supprimiert die ACh-Freisetzung und verschlimmert damit den cholinergen Defizit-Zustand der Alzheimer-Erkrankung.
Die Hypothese: GalR1/GalR3-Antagonisten könnten ACh-Neuronen von der Galanin-Suppression befreien und kognitive Funktionen verbessern. Mehrere solche Antagonisten wurden entwickelt, sind aber nicht über Phase I/II hinausgekommen.
Wirkmechanismus
- GalR1 (hemmend): Hemmung cholinerger Neuronaktivität im Hippocampus und basalen Vorderhirn → Gedächtnis-Suppression
- GalR2 (komplex): Neuroprotektion, anti-apoptotisch, stimuliert Neuriten-Auswuchs
- GalR3 (hemmend): Anti-Depression-ähnliche Effekte in Tiermodellen
- Schmerzmodulation: Im Rückenmark → bi-direktionale Effekte: bei niedrigen Dosen analgetisch (GalR2), bei hohen hyperalgetisch
- Antikonvulsiv: Galanin dämpft epileptiforme Aktivität im Hippocampus (interessant für Epilepsie-Therapie)
- Appetit: Im Hypothalamus fördert Galanin Fettaufnahme und die Präferenz für fettreiche Nahrung
Alzheimer-Verbindung
Das Galanin-ACh-Dilemma bei Alzheimer ist ein Beispiel für kompensatorisches Neuropeptid-Remodeling: Die Galanin-Überproduktion ist möglicherweise ein Versuch, den Zellverlust zu verlangsamen (GalR2 ist neuroprotektiv), schadet aber gleichzeitig der cholinergen Transmission. GalR1/GalR3-Selektive Antagonisten könnten das Gleichgewicht kippen.
Einschränkungen
Galanin-System-Pharmakologie ist komplex (3 Rezeptoren, bi-direktionale Effekte). Selektive Liganden sind schwer zu entwickeln. Klinische Daten fehlen bisher vollständig.

